Vastuvõtmise kuupäev : 25/04/2024
CI/I HA EBPOHIEÄCKWS CBI03 EIROPAS SAVJENIBAS TIESA
TRIBUNAL DE JUSTICIA DE LA UNION EUROPEA EUROPOS SAJUNGOS TEISINGUMO TEISMAS
SOUDNI DVÜR EVROPSKE UNIE AZ EUROPA! UNIÖ BIRÖSÄGA
DEN EUROP/ISKE UNIONS DOMSTOL IL-QORTI TAL-ÖUSTIZZJA TAL-UNJONI EWROPEA
GERICHTSHOF DER EUROPÄISCHEN UNION HOF VAN JUSTITIE VAN DE EUROPESE UNIE
EUROOPA LIIDU KOHUS TRYBUNAL SPRAWIEDLIWOSCI UN11 EUROPEJSKIEJ
AIKAZTHPIO THE EYPLIHAIKHE ENQZHZ TRIBUNAL DE JUSTINA DA UNIÄO EUROPEIA
COURT OF JUSTICE OF THE EUROPEAN UNION CVRIA CURTEA DE JUSTITIE A UNIUNII EUROPENE
COUR DE JUSTICE DE L’UNION EUROPEENNE SÜDNY DVOR EURÖPSKEJ UNIE
CÜIRT BHREHHIÜNAIS AN AONTAIS EORPAIGH SODISCE EVROPSKE UNUE
SUD EUROPSKE UNUE LUXEMBOURG EUROOPAN UNIONIN TUOMIOISTUIN
CORTE DI GIUSTIZIA DELL'UNIONE EUROPEA EUROPEISKA UNIONENS DOMSTOL
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Siebte Kammer)
25. April 2024*
- ABDAS-
„Vorlage zur Vorabentscheidung - Soziale Sicherheit - Verordnung (EG)
Nr. 883/2004 - Familienleistungen - Art. 68 - Prioritätsregeln bei
Zusammentreffen von Ansprüchen - Verpflichtung des Trägers des nachrangig
zuständigen Mitgliedstaats, einen Antrag auf Familienleistungen an den Träger
des vorrangig zuständigen Mitgliedstaats weiterzuleiten - Kein Antrag auf
Familienleistungen im Wohnmitgliedstaat des Kindes - Teilweise Rückforderung
der im Mitgliedstaat der Beschäftigung eines Elternteils gezahlten
Familienleistungen“
In der Rechtssache C-36/23
betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht
vom Finanzgericht Bremen (Deutschland) mit Entscheidung vom 19. Januar 2023,
beim Gerichtshof eingegangen am 25. Januar 2023, in dem Verfahren
L
gegen
Familienkasse Sachsen der Bundesagentur für Arbeit
* Verfahrenssprache: Deutsch.
DE
URTEIL vom 25. 4. 2024 - RECHTSSACHE C-36/23
erlässt
DER GERICHTSHOF (Siebte Kammer)
unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten F. Biltgen (Berichterstatter) sowie des
Richters J. Passer und der Richterin M. L. Arastey Sahun,
Generalanwalt: J. Richard de la Tour,
Kanzler: N. Mundhenke, Verwaltungsrätin,
aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom
22. November 2023,
unter Berücksichtigung der Erklärungen
- der Familienkasse Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, vertreten durch
M. Gößling als Bevollmächtigte,
- der deutschen Regierung, vertreten durch J. Möller als Bevollmächtigten,
- der tschechischen Regierung, vertreten durch M. Smolek und J. Vlacil als
Bevollmächtigte,
- der italienischen Regierung, vertreten durch G. Palmieri als Bevollmächtigte im
Beistand von L. Fiandaca, Avvocato dello Stato,
- der niederländischen Regierung, vertreten durch E. M. M. Besselink und
M. K. Bulterman als Bevollmächtigte,
- der polnischen Regierung, vertreten durch B. Majczyna, J. Lachowicz und
A. Siwek-Slusarek als Bevollmächtigte,
- der slowakischen Regierung, vertreten durch E. V. Drugda und S. Ondräsikovä
als Bevollmächtigte,
- der Europäischen Kommission, vertreten durch F. Clotuche-Duvieusart und
B.-R. Killmann als Bevollmächtigte,
aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne
Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
folgendes
Urteil
1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 68 der
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
2
FAMILIENKASSE SACHSEN
29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (ABI. 2004,
L 166, S. 1, berichtigt in ABI. 2004, L 200, S. 1).
2 Es ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen L und der Familienkasse
Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (Deutschland) (im Folgenden:
Familienkasse) über die Forderung der Familienkasse auf teilweise Erstattung des
an L gezahlten Kindergelds.
Rechtlicher Rahmen
Unionsrecht
Verordnung Nr. 1408/71
3 Art. 76 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur
Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und deren
Familien, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, in ihrer durch die
Verordnung (EG) Nr. 118/97 des Rates vom 2. Dezember 1996 geänderten und
aktualisierten Fassung (ABI. 1997, L 28, S. 1) (im Folgenden: Verordnung
Nr. 1408/71) lautete:
„(1) Sind für ein und denselben Zeitraum für ein und denselben
Familienangehörigen in den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dessen
Gebiet die Familienangehörigen wohnen, Familienleistungen aufgrund der
Ausübung einer Erwerbstätigkeit vorgesehen, so ruht der Anspruch auf die nach
den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats gegebenenfalls gemäß
Artikel 73 bzw. 74 geschuldeten Familienleistungen bis zu dem in den
Rechtsvorschriften des ersten Mitgliedstaats vorgesehenen Betrag.
(2) Wird in dem Mitgliedstaat, in dessen Gebiet die Familienangehörigen
wohnen, kein Antrag auf Leistungsgewährung gestellt, so kann der zuständige
Träger des anderen Mitgliedstaats Absatz 1 anwenden, als ob Leistungen in dem
ersten Mitgliedstaat gewährt würden."
Verordnung Nr. 883/2004
4 Der 35. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 883/2004 lautet:
„Zur Vermeidung ungerechtfertigter Doppelleistungen sind für den Fall des
Zusammentreffens von Ansprüchen auf Familienleistungen nach den
Rechtsvorschriften des zuständigen Mitgliedstaats mit Ansprüchen auf
Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats der
Familienangehörigen Prioritätsregeln vorzusehen."
5 Art. 1 Buchst, a bis c der Verordnung enthält folgende Begriffsbestimmungen:
3
Urteil VOM 25.4.2024 - RECHTSSACHE C-36/23
„Für die Zwecke dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck:
a) .Beschäftigung1 jede Tätigkeit oder gleichgestellte Situation, die für die
Zwecke der Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit des Mitgliedstaats, in
dem die Tätigkeit ausgeübt wird oder die gleichgestellte Situation vorliegt,
als solche gilt;
b) .selbstständige Erwerbstätigkeit’ jede Tätigkeit oder gleichgestellte
Situation, die für die Zwecke der Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit
des Mitgliedstaats, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird oder die
gleichgestellte Situation vorliegt, als solche gilt;
c) ,Versicherter1 in Bezug auf die von Titel III Kapitel 1 und 3 erfassten
Zweige der sozialen Sicherheit jede Person, die unter Berücksichtigung der
Bestimmungen dieser Verordnung die für einen Leistungsanspruch nach den
Rechtsvorschriften des gemäß Titel II zuständigen Mitgliedstaats
vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt“.
6 In Art. 11 Abs. 3 der Verordnung heißt es:
„Vorbehaltlich der Artikel 12 bis 16 gilt Folgendes:
a) eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder
selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt den Rechtsvorschriften
dieses Mitgliedstaats;
7 Titel III („Besondere Bestimmungen über die verschiedenen Arten von
Leistungen“) Kapitel 8 („Familienleistungen“) der Verordnung beinhaltet ihre
Art. 67 bis 69.
8 Art. 67 („Familienangehörige, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen“) der
Verordnung Nr. 883/2004 lautet:
„Eine Person hat auch für Familienangehörige, die in einem anderen Mitgliedstaat
wohnen, Anspruch auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des
zuständigen Mitgliedstaats, als ob die Familienangehörigen in diesem
Mitgliedstaat wohnen würden. Ein Rentner hat jedoch Anspruch auf
Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des für die Rentengewährung
zuständigen Mitgliedstaats.“
9 Art. 68 (..Prioritätsregeln bei Zusammentreffen von Ansprüchen“) der Verordnung
bestimmt:
„(1) Sind für denselben Zeitraum und für dieselben Familienangehörigen
Leistungen nach den Rechtsvorschriften mehrerer Mitgliedstaaten zu gewähren,
so gelten folgende Prioritätsregeln:
4
FAMILIENKASSE Sachsex
a) Sind Leistungen von mehreren Mitgliedstaaten aus unterschiedlichen
Gründen zu gewähren, so gilt folgende Rangfolge: [A]n erster Stelle stehen
die durch eine Beschäftigung oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit
ausgelösten Ansprüche, darauf folgen die durch den Bezug einer Rente
ausgelösten Ansprüche und schließlich die durch den Wohnort ausgelösten
Ansprüche.
b) Sind Leistungen von mehreren Mitgliedstaaten aus denselben Gründen zu
gewähren, so richtet sich die Rangfolge nach den folgenden subsidiären
Kriterien:
i) bei Ansprüchen, die durch eine Beschäftigung oder eine selbstständige
Erwerbstätigkeit ausgelöst werden: der Wohnort der Kinder, unter der
Voraussetzung, dass dort eine solche Tätigkeit ausgeübt wird, und
subsidiär gegebenenfalls die nach den widerstreitenden
Rechtsvorschriften zu gewährende höchste Leistung. Im
letztgenannten Fall werden die Kosten für die Leistungen nach in der
Durchführungsverordnung festgelegten Kriterien aufgeteilt;
iii) bei Ansprüchen, die durch den Wohnort ausgelöst werden: der
Wohnort der Kinder.
(2) Bei Zusammentreffen von Ansprüchen werden die Familienleistungen nach
den Rechtsvorschriften gewährt, die nach Absatz 1 Vorrang haben. Ansprüche auf
Familienleistungen nach anderen widerstreitenden Rechtsvorschriften werden bis
zur Höhe des nach den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften vorgesehenen
Betrags ausgesetzt; erforderlichenfalls ist ein Unterschiedsbetrag in Höhe des
darüber hinausgehenden Betrags der Leistungen zu gewähren. Ein derartiger
Unterschiedsbetrag muss jedoch nicht für Kinder gewährt werden, die in einem
anderen Mitgliedstaat wohnen, wenn der entsprechende Leistungsanspruch
ausschließlich durch den Wohnort ausgelöst wird.
(3) Wird nach Artikel 67 beim zuständigen Träger eines Mitgliedstaats, dessen
Rechtsvorschriften gelten, aber nach den Prioritätsregeln der Absätze 1 und 2 des
vorliegenden Artikels nachrangig sind, ein Antrag auf Familienleistungen gestellt,
so gilt Folgendes:
a) Dieser Träger leitet den Antrag unverzüglich an den zuständigen Träger des
Mitgliedstaats weiter, dessen Rechtsvorschriften vorrangig gelten, teilt dies
der betroffenen Person mit und zahlt unbeschadet der Bestimmungen der
Durchführungsverordnung über die vorläufige Gewährung von Leistungen
erforderlichenfalls den in Absatz 2 genannten Unterschiedsbetrag;
b) der zuständige Träger des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften
vorrangig gelten, bearbeitet den Antrag, als ob er direkt bei ihm gestellt
5
URTEIL VOM 25. 4. 2024 - RECHTSSACHE C-36/23
worden wäre; der Tag der Einreichung des Antrags beim ersten Träger gilt
als der Tag der Einreichung bei dem Träger, der vorrangig zuständig ist."
10 In Art. 76 Abs. 4 und 5 der Verordnung heißt es:
,,(4) Die Träger und Personen, die in den Geltungsbereich dieser Verordnung
fallen, sind zur gegenseitigen Information und Zusammenarbeit verpflichtet, um
die ordnungsgemäße Anwendung dieser Verordnung zu gewährleisten.
Die betroffenen Personen müssen die Träger des zuständigen Mitgliedstaats und
des Wohnmitgliedstaats so bald wie möglich über jede Änderung ihrer
persönlichen oder familiären Situation unterrichten, die sich auf ihre
Leistungsansprüche nach dieser Verordnung auswirkt.
(5) Die Verletzung der Informationspflicht gemäß Absatz 4 Unterabsatz 3 kann
angemessene Maßnahmen nach dem nationalen Recht nach sich ziehen. Diese
Maßnahmen müssen jedoch denjenigen entsprechen, die für vergleichbare
Tatbestände der nationalen Rechtsordnung gelten, und dürfen die Ausübung der
den Antragstellern durch diese Verordnung eingeräumten Rechte nicht praktisch
unmöglich machen oder übermäßig erschweren.“
11 Art. 81 der Verordnung bestimmt:
„Anträge, Erklärungen oder Rechtsbehelfe, die gemäß den Rechtsvorschriften
eines Mitgliedstaats innerhalb einer bestimmten Frist bei einer Behörde, einem
Träger oder einem Gericht dieses Mitgliedstaats einzureichen sind, können
innerhalb der gleichen Frist bei einer entsprechenden Behörde, einem
entsprechenden Träger oder einem entsprechenden Gericht eines anderen
Mitgliedstaats eingereicht werden. In diesem Fall übermitteln die in Anspruch
genommenen Behörden, Träger oder Gerichte diese Anträge, Erklärungen oder
Rechtsbehelfe entweder unmittelbar oder durch Einschaltung der zuständigen
Behörden der beteiligten Mitgliedstaaten unverzüglich der zuständigen Behörde,
dem zuständigen Träger oder dem zuständigen Gericht des ersten Mitgliedstaats.
Der Tag, an dem diese Anträge, Erklärungen oder Rechtsbehelfe bei einer
Behörde, einem Träger oder einem Gericht des zweiten Mitgliedstaats
eingegangen sind, gilt als Tag des Eingangs bei der zuständigen Behörde, dem
zuständigen Träger oder dem zuständigen Gericht.“
12 Art. 84 („Einziehung von Beiträgen und Rückforderung von Leistungen”) der
Verordnung Nr. 883/2004 sieht vor:
„(1) Beiträge, die einem Träger eines Mitgliedstaats geschuldet werden, und
nichtgeschuldete Leistungen, die von dem Träger eines Mitgliedstaats gewährt
wurden, können in einem anderen Mitgliedstaat nach den Verfahren und mit den
Sicherungen und Vorrechten eingezogen bzw. zurückgefordert werden, die für die
Einziehung der dem entsprechenden Träger des letzteren Mitgliedstaats
6
FAMILIENKASSE Sachsen
geschuldeten Beiträge bzw. für die Rückforderung der vom entsprechenden
Träger des letzteren Mitgliedstaats nichtgeschuldeten Leistungen gelten.
(2) Vollstreckbare Entscheidungen der Gerichte und Behörden über die
Einziehung von Beiträgen, Zinsen und allen sonstigen Kosten oder die
Rückforderung nichtgeschuldeter Leistungen gemäß den Rechtsvorschriften eines
Mitgliedstaats werden auf Antrag des zuständigen Trägers in einem anderen
Mitgliedstaat innerhalb der Grenzen und nach Maßgabe der in diesem
Mitgliedstaat für ähnliche Entscheidungen geltenden Rechtsvorschriften und
anderen Verfahren anerkannt und vollstreckt. Solche Entscheidungen sind in
diesem Mitgliedstaat für vollstreckbar zu erklären, sofern die Rechtsvorschriften
und alle anderen Verfahren dieses Mitgliedstaats dies erfordern.
Verordnung (EG) Nr. 987/2009
13 Art. 3 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die
Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der
Systeme der sozialen Sicherheit (ABI. 2009, L 284, S. 1) bestimmt:
„Personen, für die die [Verordnung Nr. 883/2004] gilt, haben dem maßgeblichen
Träger die Informationen, Dokumente oder Belege zu übermitteln, die für die
Feststellung ihrer Situation oder der Situation ihrer Familie sowie ihrer Rechte
und Pflichten, für die Aufrechterhaltung derselben oder für die Bestimmung der
anzuwendenden Rechtsvorschriften und ihrer Pflichten nach diesen
Rechtsvorschriften erforderlich sind.“
14 Art. 60 der Verordnung sieht vor:
„(1 ) Die Familienleistungen werden bei dem zuständigen Träger beantragt. Bei
der Anwendung von Artikel 67 und 68 der [Verordnung Nr. 883/2004] ist,
insbesondere was das Recht einer Person zur Erhebung eines Leistungsanspruchs
anbelangt, die Situation der gesamten Familie in einer Weise zu berücksichtigen,
als würden alle beteiligten Personen unter die Rechtsvorschriften des betreffenden
Mitgliedstaats fallen und dort wohnen. Nimmt eine Person, die berechtigt ist,
Anspruch auf die Leistungen zu erheben, dieses Recht nicht wahr, berücksichtigt
der zuständige Träger des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften anzuwenden
sind, einen Antrag auf Familienleistungen, der von dem anderen Elternteil, einer
als Elternteil behandelten Person oder von der Person oder Institution, die als
Vormund des Kindes oder der Kinder handelt, gestellt wird.
(2) Der nach Absatz 1 in Anspruch genommene Träger prüft den Antrag anhand
der detaillierten Angaben des Antragstellers und berücksichtigt dabei die
gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände, die die familiäre Situation des
Antragstellers ausmachen.
7
Urteil VOM 25.4. 2024 - RECHTSSACHE C-36/23
Kommt dieser Träger zu dem Schluss, dass seine Rechtsvorschriften nach Artikel
68 Absätze 1 und 2 der [Verordnung Nr. 883/2004] prioritär anzuwenden sind, so
zahlt er die Familienleistungen nach den von ihm angewandten
Rechtsvorschriften.
Ist dieser Träger der Meinung, dass aufgrund der Rechtsvorschriften eines anderen
Mitgliedstaats ein Anspruch auf einen Unterschiedsbetrag nach Artikel 68 Absatz
2 der [Verordnung Nr. 883/2004] bestehen könnte, so übermittelt er den Antrag
unverzüglich dem zuständigen Träger des anderen Mitgliedstaats und informiert
die betreffende Person; außerdem unterrichtet er den Träger des anderen
Mitgliedstaats darüber, wie er über den Antrag entschieden hat und in welcher
Höhe Familienleistungen gezahlt wurden.
(3) Kommt der Träger, bei dem der Antrag gestellt wurde, zu dem Schluss, dass
seine Rechtsvorschriften zwar anwendbar, aber nach Artikel 68 Absätze 1 und 2
der [Verordnung Nr. 883/2004] nicht prioritär anwendbar sind, so trifft er
unverzüglich eine vorläufige Entscheidung über die anzuwendenden
Prioritätsregeln, leitet den Antrag nach Artikel 68 Absatz 3 der [Verordnung
Nr. 883/2004] an den Träger des anderen Mitgliedstaats weiter und informiert
auch den Antragsteller darüber. Dieser Träger nimmt innerhalb einer Frist von
zwei Monaten zu der vorläufigen Entscheidung Stellung.
Falls der Träger, an den der Antrag weitergeleitet wurde, nicht innerhalb von zwei
Monaten nach Eingang des Antrags Stellung nimmt, wird die oben genannte
vorläufige Entscheidung anwendbar und zahlt dieser Träger die in seinen
Rechtsvorschriften vorgesehenen Leistungen und informiert den Träger, an den
der Antrag gerichtet war, über die Höhe der gezahlten Leistungen.
(5) Der Träger, der eine vorläufige Leistungszahlung vorgenommen hat, die
höher ist als der letztlich zu seinen Lasten gehende Betrag, kann den zu viel
gezahlten Betrag nach dem Verfahren des Artikels 73 der
Durchführungsverordnung vom vorrangig zuständigen Träger zurückfordern.“
Deutsches Recht
15 §31 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes in seiner auf den Rechtsstreit des
Ausgangsverfahrens anwendbaren Fassung (im Folgenden: EStG) lautet:
„Im laufenden Kalenderjahr wird Kindergeld als Steuervergütung monatlich
gezahlt.“
16 § 32 Abs. 1 und 3 EStG bestimmt:
..(1) Kinder sind
1. im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandte Kinder,
8
FAMILIENKASSE Sachsen
(3) Ein Kind wird in dem Kalendermonat, in dem es lebend geboren wurde, und
in jedem folgenden Kalendermonat, zu dessen Beginn es das 18. Lebensjahr noch
nicht vollendet hat, berücksichtigt."
17 In § 62 Abs. 1 EStG heißt es:
„Für Kinder im Sinne des § 63 hat Anspruch auf Kindergeld nach diesem Gesetz,
wer
1. im Inland einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat oder
2. ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland
a) nach § 1 Absatz 2 unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist oder
b) nach § 1 Absatz 3 als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig
behandelt wird.
18 In § 63 Abs. 1 EStG heißt es:
„Als Kinder werden berücksichtigt
1. Kinder im Sinne des § 32 Absatz 1
2§ 32 Absatz 3 bis 5 gilt entsprechend. ..."
19 § 70 Abs. 2 EStG sieht vor:
„Soweit in den Verhältnissen, die für den Anspruch auf Kindergeld erheblich
sind, Änderungen eintreten, ist die Festsetzung des Kindergeldes mit Wirkung
vom Zeitpunkt der Änderung der Verhältnisse aufzuheben oder zu ändern. ..."
20 § 37 der Abgabenordnung in ihrer auf den Rechtsstreit des Ausgangsverfahrens
anwendbaren Fassung lautet:
..(1) Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis sind der Steueranspruch, der
Steuervergütungsanspruch, der Haftungsanspruch, der Anspruch auf eine
steuerliche Nebenleistung, der Erstattungsanspruch nach Absatz 2 sowie die in
Einzelsteuergesetzen geregelten Steuererstattungsansprüche.
(2) 'Ist eine Steuer, eine Steuervergütung, ein Haftungsbetrag oder eine
steuerliche Nebenleistung ohne rechtlichen Grund gezahlt oder zurückgezahlt
worden, so hat derjenige, auf dessen Rechnung die Zahlung bewirkt worden ist, an
9
URTEIL VOM 25. 4. 2024 - RECHTSSACHE C-36 23
den Leistungsempfänger einen Anspruch auf Erstattung des gezahlten oder
zurückgezahlten Betrags. 2Das gilt auch dann, wenn der rechtliche Grund für die
Zahlung oder Rückzahlung später wegfällt."
Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
21 Der Kläger des Ausgangsverfahrens ist polnischer Staatsangehöriger und übt in
Deutschland seit mehreren Jahren eine nicht selbständige Beschäftigung aus.
Seine Ehefrau lebt zusammen mit ihrem gemeinsamen, im Jahr 2008 geborenen
Kind in Polen.
22 Im Jahr 2016 beantragte der Kläger des Ausgangsverfahrens in Deutschland
Kindergeld. Er belegte seine nicht selbständige Beschäftigung in Deutschland und
gab an, dass seine Ehefrau in Polen nicht erwerbstätig sei. Die Familienkasse gab
diesem Antrag mit der Begründung statt, dass die deutschen Rechtsvorschriften,
die den Kindergeldanspruch begründeten, für die Beschäftigungszeit des Klägers
des Ausgangsverfahrens vorrangig gälten.
23 Im Jahr 2019 übersandte die Familienkasse dem Kläger des Ausgangsverfahrens
im Rahmen eines Verfahrens zur Überprüfung des Kindergeldanspruchs einen
Fragebogen, um die angegebenen Daten zu bestätigen, und ersuchte die
zuständigen polnischen Behörden um Auskunft über eine etwaige
Erwerbstätigkeit der Ehefrau des Klägers des Ausgangsverfahrens und einen
Anspruch auf polnische Familienleistungen.
24 Die polnischen Behörden antworteten, dass die Ehefrau seit dem Jahr 2006
berufstätig sei und Beiträge an die polnische Sozialversicherung für Landwirte
entrichtet habe, aber keine polnischen Familienleistungen beziehe. Zwar sei es seit
einer im Jahr 2019 erfolgten Gesetzesänderung in Polen nunmehr möglich,
sogenannte „Familienleistungen 500+“ einkommensunabhängig in Anspruch zu
nehmen, doch habe die Ehefrau des Klägers des Ausgangsverfahrens erklärt,
keinen entsprechenden Antrag stellen zu wollen.
25 Auf diese Antwort hin hob die Familienkasse gemäß § 70 Abs. 2 EStG für den
Zeitraum ab Oktober 2020 die Festsetzung des deutschen Kindergelds in Höhe der
in Polen gesetzlich vorgesehenen Familienleistungen auf.
26 Des Weiteren bat die Familienkasse mit einem „Ersuchen zur Entscheidung über
die Zuständigkeit” die zuständigen polnischen Behörden, den Anspruch auf
Familienleistungen ab Juli 2019 zu prüfen. Diese Behörden antworteten u. a., dass
die Ehefrau des Klägers des Ausgangsverfahrens seit dem LJuli 2019 keine
derartigen Leistungen bezogen habe und keinen Antrag auf solche Leistungen
stellen wolle.
27 Mit Bescheid vom 6. Januar 2021 hob die Familienkasse die Festsetzung des
Kindergelds für den Zeitraum von Juli 2019 bis September 2020 in Höhe der in
Polen gesetzlich vorgesehenen Familienleistungen auf und forderte vom Kläger
10
FAMILIENKASSE SACHSEN
des Ausgangsverfahrens für diesen Zeitraum überzahltes Kindergeld in Höhe von
1 674,60 Euro zurück.
28 Der Kläger des Ausgangsverfahren erhob, nachdem sein Antrag auf Änderung
dieses Bescheids zurückgewiesen worden war, beim Finanzgericht Bremen
(Deutschland), dem vorlegenden Gericht, eine Klage.
29 Zu deren Begründung trug er vor, dass seine Ehefrau nicht erwerbstätig sei, da der
Bauernhof, den sie von ihren Eltern übernommen habe, nicht bewirtschaftet
werde. Aus dem Eigentum an diesem Bauernhof folge die Versicherung bei der
polnischen Sozialversicherung, an die er Beiträge zahle und die keine Tätigkeit als
selbständige Landwirtin voraussetze. Zudem habe seine Ehefrau für den in Rn. 27
des vorliegenden Urteils genannten Zeitraum in Polen Kindergeld weder erhalten
noch beantragt.
30 Die Familienkasse macht u. a. geltend, dass der Ehefrau des Klägers des
Ausgangsverfahrens sogenannte „Familienleistungen 500+" zustünden, die seit
Juli 2019 einkommensunabhängig gewährt würden. Des Weiteren sei, wie aus den
von den zuständigen polnischen Behörden erhaltenen Informationen hervorgehe,
die Ehefrau in Polen als erwerbstätig anzusehen. Aus Art. 68 Abs. 1 Buchst, b
Ziff. i der Verordnung Nr. 883/2004 ergebe sich, dass Familienleistungen
vorrangig in Polen geschuldet seien, da das Kind des Klägers des
Ausgangsverfahrens und seine Ehefrau in diesem Mitgliedstaat wohnten.
31 Nach Auffassung des vorlegenden Gerichts ergibt sich aus der Rechtsprechung
des Gerichtshofs zur Verordnung Nr. 1408/71, die durch die Verordnung
Nr. 883/2004 aufgehoben worden sei, und insbesondere aus dem Urteil vom
14. Oktober 2010, Schwemmer (C-16/09, EU:C:2010:605), dass die Aussetzung
eines Anspruchs auf Familienleistungen wegen des Bestehens eines solchen
Anspruchs in einem anderen Mitgliedstaat nur dann in Betracht komme, wenn die
Familienleistungen tatsächlich von diesem anderen Mitgliedstaat gezahlt würden,
und dass es ohne eine solche Zahlung nicht darauf ankomme, dass die
Nichtzahlung lediglich darauf beruhe, dass kein entsprechender Antrag gestellt
worden sei.
32 Das vorlegende Gericht weist jedoch darauf hin, dass der Bundesfinanzhof
(Deutschland) zur Rechtslage unter Geltung der Verordnung Nr. 883/2004 die
Auffassung vertreten habe, dass gemäß der Fiktion in Art. 68 Abs. 3 Buchst, b und
Art. 81 der Verordnung der Antrag auf Familienleistungen, der in dem
Mitgliedstaat, dessen Rechtsvorschriften nachrangig gälten, gestellt worden sei,
auch als Antrag auf Familienleistungen gelte, der zugleich in dem Mitgliedstaat,
dessen Rechtsvorschriften vorrangig gälten, gestellt worden sei, womit die
formelle Anspruchsvoraussetzung eines Antrags in letzterem Mitgliedstaat
gewahrt sei. Dies sei nach Auffassung des Bundesfinanzhofs auch dann der Fall,
wenn der erste Staat keine Kenntnis davon habe, dass ein Auslandsbezug vorliege,
weil er vom Antragsteller hiervon nicht informiert worden sei, und diesen Antrag
somit nicht an den zweiten Mitgliedstaat weiterleite. Daraus folge, dass Art. 68
11
URTEIL VOM 25. 4. 2024 - RECH TSS A\CHE C-36 23
der Verordnung nur dann nicht anwendbar sei, wenn in dem Mitgliedstaat, dessen
Rechtsvorschriften vorrangig gälten, die materiellen Anspruchsvoraussetzungen
u. a. wegen der Überschreitung der Altersgrenze oder bestimmter
Einkommensgrenzen nicht vorlägen.
33 Das vorlegende Gericht weist darauf hin, dass das Ziel der Verordnung
Nr. 883/2004, wie sich aus ihrem 35. Erwägungsgrund ergebe, darin liege, für den
Fall des Zusammentreffens von Ansprüchen auf Familienleistungen nach den
Rechtsvorschriften mehrerer Mitgliedstaaten ungerechtfertigte Doppelleistungen
zu vermeiden, so dass die Prioritätsregeln gemäß Art. 68 der Verordnung
grundsätzlich nicht zur Folge haben sollten, dass dem Berechtigten niedrigere
Zahlungen gewährt würden als ohne ihre Anwendung.
34 In Bezug auf Art. 68 Abs. 3 der Verordnung ist das vorlegende Gericht der
Ansicht, dass die in dieser Bestimmung vorgesehene Gleichstellung der in Rn. 32
des vorliegenden Urteils beschriebenen Anträge, die der Vereinfachung des
Verfahrens für den Berechtigten dienen solle, nichts daran ändere, dass die Fristen
für die Stellung von Anträgen auf Familienleistungen und die Möglichkeit ihrer
rückwirkenden Gewährung weiterhin von nationalen Rechtsvorschriften geregelt
werde. So sei in Polen eine jährliche und vorherige Stellung eines solchen Antrags
erforderlich. Außerdem betreffe das Verfahren gemäß Art. 68 Abs. 3 Buchst, a der
Verordnung nur Sachverhalte, in denen über einen noch nicht beschiedenen
Antrag auf Familienleistungen zu entscheiden sei.
35 Sollte dies jedoch nicht der Fall sein und sollten die in Art. 68 Abs. 1 der
Verordnung Nr. 883/2004 festgelegten Prioritätsregeln in einem Sachverhalt wie
dem des Ausgangsverfahrens Anwendung finden, stelle sich dem vorlegenden
Gericht die Frage, ob bei der Bestimmung der Priorität zwischen den betreffenden
Mitgliedstaaten auf die nationalen Anspruchsvoraussetzungen oder auf die
Kriterien nach Art. 11 bis 16 der Verordnung abzustellen sei. In Bezug auf diesen
zweiten Fall fragt sich das vorlegende Gericht, ob davon auszugehen sei, dass eine
Person in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder selbständige
Erwerbstätigkeit ausübe, wenn die zuständigen Behörden dieses Mitgliedstaats
dies bestätigten, ungeachtet gegenteiliger Angaben dieser Person.
36 Unter diesen Umständen hat das Finanzgericht Bremen beschlossen, das
Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Fragen zur
Vorabentscheidung vorzulegen:
1. Lässt Art. 68 der Verordnung Nr. 883/2004 es zu, dass deutsches Kindergeld
unter Berufung auf einen vorrangigen Anspruch in einem anderen
Mitgliedstaat nachträglich teilweise zurückgefordert wird, auch wenn in dem
anderen Mitgliedstaat keine Familienleistung für das Kind festgesetzt und
ausgezahlt wurde und wird, mit der Folge, dass der Betrag, der dem nach
deutschem Recht Berechtigten verbleibt, im Ergebnis hinter dem deutschen
Kindergeld zurückbleibt?
12
FAMILIENKASSE SACHSEN
2. Für den Fall, dass die erste Frage bejaht wird: Richtet sich die Beantwortung
der Frage, aus welchen Gründen die Leistungen von mehreren
Mitgliedstaaten im Sinne des Art. 68 der Verordnung Nr. 883/2004 zu
gewähren sind, bzw. wodurch die zu koordinierenden Ansprüche ausgelöst
werden, nach den Anspruchsvoraussetzungen der nationalen Regelungen
oder danach, aufgrund welchen Tatbestands die betroffenen Personen nach
Art. 11 bis 16 der Verordnung Nr. 883/2004 den Rechtsvorschriften der
jeweiligen Mitgliedstaaten unterliegen?
3. Für den Fall, dass es darauf ankommt, aufgrund welchen Tatbestands die
betroffenen Personen nach Art. 11 bis 16 der Verordnung Nr. 883/2004 den
Rechtsvorschriften der jeweiligen Mitgliedstaaten unterliegen: Ist Art. 68 in
Verbindung mit Art. 1 Buchst, a und b und Art. 11 Abs. 3 Buchst, a der
Verordnung Nr. 883/2004 so auszulegen, dass von dem Vorliegen einer
Beschäftigung oder einer selbständigen Erwerbstätigkeit einer Person in
einem anderen Mitgliedstaat bzw. einer Situation, die
sozialversicherungsrechtlich einer solchen Tätigkeit gleichgestellt ist,
auszugehen ist, wenn die Sozialversicherungskasse in dem anderen
Mitgliedstaat eine Versicherung „als Landwirt" bescheinigt und der dortige
zuständige Träger für Familienleistungen das Vorliegen einer Beschäftigung
bestätigt, auch wenn die betroffene Person geltend macht, die Versicherung
knüpfe allein an das Eigentum an dem als landwirtschaftliche Nutzfläche
eingetragenen Hof an, der jedoch tatsächlich nicht bewirtschaftet werde?
Zu den Vorlagefragen
Zur ersten Frage
37 Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen,
ob Art. 68 der Verordnung Nr. 883/2004, der Prioritätsregeln bei
Zusammentreffen von Ansprüchen auf Familienleistungen festlegt, dahin
auszulegen ist, dass er es dem Träger eines Mitgliedstaats, dessen
Rechtsvorschriften nach den in Abs. 1 dieses Artikels genannten Kriterien
nachrangig sind, gestattet, von der betroffenen Person in diesem Mitgliedstaat
gezahlte Familienleistungen aufgrund dessen teilweise zurückzuverlangen, dass
nach den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats ein
Anspruch auf solche Leistungen besteht, und zwar auch dann, wenn in diesem
anderen Mitgliedstaat eine Familienleistung weder festgesetzt noch ausgezahlt
wurde.
38 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass ein Arbeitnehmer, der wie der Kläger des
Ausgangsverfahrens in einem Mitgliedstaat arbeitet und dessen Familie im Gebiet
eines anderen Mitgliedstaats lebt, unter Art. 67 der Verordnung Nr. 883/2004 fällt.
39 Art. 67 der Verordnung Nr. 883/2004 legt den Grundsatz fest, dass eine Person
Anspruch auf Familienleistungen für Familienangehörige, die in einem anderen
13
URTEIL VON 25. 4. 2024 - RECHTSSACHE C-36 23
als dem für die Gewährung dieser Leistungen zuständigen Mitgliedstaat wohnen,
erheben kann, als ob sie in dem zuständigen Mitgliedstaat wohnen würden. Diese
Vorschrift soll so den Wandererwerbstätigen erleichtern, Familienbeihilfen in dem
Mitgliedstaat, in dem sie beschäftigt sind, zu erlangen, wenn ihre Familie ihnen
nicht in diesen Staat gefolgt ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 18. September
2019, Moser, C-32/18, EU:C:2019:752, Rn. 35 und 36 sowie die dort angeführte
Rechtsprechung).
40 Dieser Grundsatz der Gleichstellung ist jedoch insofern kein absoluter, als die
Antikumulierungsvorschriften von Art. 68 der Verordnung Nr. 883/2004
Anwendung finden müssen, wenn mehrere Ansprüche auf der Grundlage
unterschiedlicher Rechtsordnungen geschuldet werden (vgl. in diesem Sinne
Urteil vom 13. Oktober 2022, DN [Rückforderung von Familienleistungen],
C-199/21, EU:C:2022:789, Rn. 33 und die dort angeführte Rechtsprechung).
41 Wie sich aus dem 35. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 883/2004 ergibt,
dienen diese Antikumulierungsvorschriften der Vermeidung ungerechtfertigter
Doppelleistungen für den Fall des Zusammentreffens von Ansprüchen auf
Familienleistungen.
42 So legt Art. 68 Abs. 1 Buchst, a der Verordnung Nr. 883/2004 die Prioritätsregeln
für den Fall fest, dass Leistungen von mehreren Mitgliedstaaten aus
unterschiedlichen Gründen zu gewähren sind, während Buchst, b dieses Absatzes
die Rangfolge für Leistungen aufstellt, die aus denselben Gründen zu gewähren
sind. Nach Art. 68 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004 werden bei
Zusammentreffen von Ansprüchen die Familienleistungen nach den
Rechtsvorschriften gewährt, die nach Absatz 1 dieses Artikels Vorrang haben, und
Ansprüche auf Familienleistungen nach anderen Rechtsvorschriften bis zur Höhe
des nach den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften vorgesehenen Betrags
ausgesetzt; erforderlichenfalls ist ein Unterschiedsbetrag in Höhe des darüber
hinausgehenden Betrags der Leistungen zu gewähren.
43 Hinsichtlich der Anwendbarkeit dieser Prioritätsregeln ist darauf hinzuweisen,
dass es nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs für die Annahme, dass in einem
bestimmten Fall eine solche Kumulierung vorliegt, nicht genügt, dass Leistungen
im Wohnmitgliedstaat des betreffenden Kindes geschuldet werden und zugleich in
einem anderen Mitgliedstaat lediglich potenziell gezahlt werden können. Die
betroffene Person muss zudem alle in den Rechtsvorschriften dieses Staates
aufgestellten - formellen und materiellen - Anspruchsvoraussetzungen erfüllen,
zu denen gegebenenfalls auch die Voraussetzung gehören kann, dass ein
vorheriger Antrag gestellt wurde (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 14. Oktober
2010, Schwemmer, C-16/09, EU:C:2010:605, Rn. 52 und 53, sowie vom
13. Oktober 2022, DN [Rückforderung von Familienleistungen], C-199/21,
EU:C:2022:789, Rn. 34 und 35 sowie die dort angeführte Rechtsprechung).
14
FAMILIENKASSE SACHSEN
44 Diese Rechtsprechung, die die Prioritätsregeln betrifft, die gemäß Art. 76 der
Verordnung Nr. 1408/71 galten, wurde durch die Einführung des in Art. 68 Abs. 3
der Verordnung Nr. 883/2004 vorgesehenen Verfahrens nicht in Frage gestellt.
45 Insoweit geht aus Art. 68 Abs. 3 Buchst, a der Verordnung Nr. 883/2004 hervor,
dass der zuständige Träger eines Mitgliedstaats, bei dem ein Antrag auf
Familienleistungen gestellt wird, dessen Rechtsvorschriften aber nach den Abs. 1
und 2 dieses Artikels nachrangig gelten, diesen Antrag unverzüglich an den
zuständigen Träger des Mitgliedstaats weiterleitet, dessen Rechtsvorschriften
vorrangig gelten, dies der betroffenen Person mitteilt und unbeschadet von Art. 60
der Verordnung Nr. 987/2009 über die vorläufige Gewährung von Leistungen
erforderlichenfalls den in Abs. 2 dieses Artikels genannten Unterschiedsbetrag
gewährt.
46 Hinsichtlich Art. 60 der Verordnung Nr. 987/2009, der aufgrund seines Verweises
auf die Art. 67 und 68 der Verordnung Nr. 883/2004 anhand dieser Bestimmungen
zu prüfen ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 18. September 2019, Moser,
C-32/18, EU:C:2019:752, Rn. 34), ist festzustellen, dass gemäß Art. 60 Abs. 3
Unterabs. 1 der Verordnung Nr. 987/2009 der Träger, bei dem ein Antrag auf
Familienleistungen gestellt wurde und der der Ansicht ist, dass seine
Rechtsvorschriften nicht prioritär anwendbar sind, eine vorläufige Entscheidung
über die anzuwendenden Prioritätsregeln trifft, den Antrag an den Träger des
anderen Mitgliedstaats weiterleitet und den Antragsteller über diese Weiterleitung
informiert. In Art. 60 Abs. 3 Unterabs. 2 der Verordnung ist klargestellt, dass,
falls der Träger, an den dieser Antrag weitergeleitet wurde, nicht innerhalb von
zwei Monaten nach dessen Eingang Stellung nimmt, die vorläufige Entscheidung
des Trägers, bei dem zuerst ein Antrag gestellt wurde, anwendbar wird und dieser
die in seinen Rechtsvorschriften vorgesehenen Leistungen zahlen muss.
47 Somit geht aus dem Wortlaut von Art. 60 der Verordnung Nr. 987/2009 klar
hervor, dass der Träger eines Mitgliedstaats, bei dem ein Antrag auf
Familienleistungen gestellt wird und der seine Rechtsvorschriften für nachrangig
anwendbar hält, verpflichtet ist, die nach diesen Rechtsvorschriften vorgesehenen
Leistungen zu zahlen, wenn der Träger, der als vorrangig zuständig gilt, keine
Stellungnahme abgibt.
48 Folglich darf dieser Träger in einem solchen Fall die Zahlung der genannten
Familienleistungen nicht bis zur Höhe des Betrags, der möglicherweise nach den
als vorrangig geltenden Rechtsvorschriften vorgesehen ist, aussetzen und sie als
Unterschiedsbetrag in Höhe des darüber hinausgehenden Betrags gewähren.
49 Diese Auslegung wird im Übrigen durch Art. 60 Abs. 5 der Verordnung
Nr. 987/2009 bestätigt, wonach der Träger in dem Fall, dass er eine vorläufige
Leistungszahlung vorgenommen hat, die höher ist als der letztlich zu seinen
Lasten gehende Betrag, den zu viel gezahlten Betrag vom vorrangig zuständigen
Träger zurückfordern kann.
15
Urteil VOM 25. 4.2024 - RECHTSSACHE C-36/23
50 Außerdem bestimmt Art. 68 Abs. 3 Buchst, b der Verordnung Nr. 883/2004, dass
der zuständige Träger, dessen Rechtsvorschriften vorrangig gelten, den Antrag
bearbeitet, als ob er direkt bei ihm gestellt worden wäre, und der Tag der
Einreichung des Antrags beim ersten Träger als der Tag der Einreichung bei dem
Träger gilt, der vorrangig zuständig ist.
51 Art. 68 Abs. 3 der Verordnung Nr. 883/2004 wird durch Art. 81 der Verordnung
ergänzt, wonach die Stellung eines Antrags bei einer Behörde, einem Träger oder
einem Gericht eines anderen Mitgliedstaats als des Mitgliedstaats, der die
Leistungen zu erbringen hat, die gleichen Wirkungen hat, wie wenn dieser Antrag
unmittelbar bei der zuständigen Stelle des letztgenannten Mitgliedstaats
eingereicht worden wäre, und der Tag, an dem dieser Antrag beim ersten
Mitgliedstaat eingegangen ist, als Tag des Eingangs bei der zuständigen Behörde,
dem zuständigen Träger oder dem zuständigen Gericht gilt.
52 Diese Bestimmungen sollen die Freizügigkeit von Wanderarbeitnehmern
erleichtern, indem sie ihr Vorgehen angesichts der Komplexität der
Verwaltungsverfahren in den verschiedenen Mitgliedstaaten administrativ
vereinfachen, und verhindern, dass die Betroffenen aus rein formalen Gründen
ihre Ansprüche verlieren können (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 29. September
2022, Chief Appeals Officer u. a„ C-3/21, EU:C:2022:737, Rn. 26).
53 Somit ist, da davon ausgegangen wird, dass ein von der betroffenen Person
gestellter Antrag automatisch an die zuständige Behörde des Mitgliedstaats
weitergeleitet wird, dessen Rechtsvorschriften vorrangig gelten, und aufgrund der
Fiktion, dass der Zeitpunkt der Einreichung des Antrags bei einer zuständigen
Behörde als der Zeitpunkt der Einreichung bei der Behörde, die vorrangig über
den Antrag zu entscheiden hat, gilt, die in Rn. 43 des vorliegenden Urteils
angeführte Voraussetzung, dass ein vorheriger Antrag gestellt wurde,
grundsätzlich nicht mehr erforderlich, um zu beurteilen, ob im Hinblick auf die
Anwendung der Prioritätsregeln ein Fall des Zusammentreffens von Ansprüchen
vorliegt.
54 Gleichwohl sind alle anderen formellen und materiellen Voraussetzungen, die in
den Rechtsvorschriften des vorrangig zuständigen Mitgliedstaats bestimmt sind,
zu erfüllen, da zwischen der Einreichung eines Antrags auf Familienleistungen
und dem Anspruch auf diese Leistungen zu unterscheiden ist (vgl. in diesem Sinne
Urteile vom 22. Oktober 2015, Trapkowski, C-378/14, EU:C:2015:720, Rn. 46,
und vom 13. Oktober 2022, DN [Rückforderung von Familienleistungen],
C-199/21, EU:C:2022:789, Rn. 42).
55 Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten für die Ausgestaltung
ihrer Systeme der sozialen Sicherheit zuständig bleiben und es Sache des Rechts
des jeweiligen Mitgliedstaats ist, die Voraussetzungen für die Gewährung von
Leistungen der sozialen Sicherheit, ihre Höhe, die Dauer ihrer Gewährung sowie
die Fristen zur Beantragung dieser Leistungen zu bestimmen (Urteil vom
16
FAMILIENKASSE SACHSEN
29 . September 2022, Chief Appeals Officer u. a., C-3/21, EU:C:2022:737, Rn. 39
und die dort angeführte Rechtsprechung).
56 Des Weiteren ergibt sich aus dem Wortlaut von Art. 1 Buchst, a und b der
Verordnung Nr. 883/2004, nach dessen Definition Beschäftigung oder
selbständige Erwerbstätigkeit jede Tätigkeit oder gleichgestellte Situation
bezeichnet, die für die Zwecke der Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit des
Mitgliedstaats, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird oder die gleichgestellte
Situation vorliegt, als solche gilt, dass die Beurteilung der Frage, ob eine Person
eine solche Tätigkeit im Sinne von Art. 68 der Verordnung ausübt, dem
zuständigen Träger des Mitgliedstaats obliegt, in dem diese Tätigkeit ausgeübt
wird.
57 Da nämlich die Entscheidung über die Gewährung von Familienleistungen von
der Auslegung und der Anwendung der Rechtsvorschriften des betreffenden
Mitgliedstaats abhängt, ist der Träger eines anderen Mitgliedstaats nicht in der
Lage, zu entscheiden, ob alle Voraussetzungen für die Gewährung solcher
Leistungen erfüllt sind. Dieser Träger muss sich daher auf die Feststellung
beschränken, dass der zuständige Träger eines anderen Mitgliedstaats der
betroffenen Person entweder tatsächlich Familienleistungen gewährt hat oder dem
Leistungsempfänger die Gewährung von Familienleistungen verweigert hat (vgl.
in diesem Sinne Urteil vom 3. Februar 1983, Robards, 149/82, EU:C:1983:26,
Rn. 11).
58 Vorliegend geht aus der Vorlageentscheidung hervor, dass Deutschland, als der
ursprüngliche Antrag auf Kindergeld in Deutschland gestellt wurde, dem Antrag
aufgrund seiner Zuständigkeit als vorrangig zuständiger Mitgliedstaat
stattgegeben hat, ohne das Verfahren nach Art. 60 Abs. 3 der Verordnung
Nr. 987/2009 einzuleiten.
59 Erst bei einer späteren Überprüfung aufgrund einer Änderung der in Polen
geltenden Rechtsvorschriften gelangte die Bundesrepublik Deutschland zu der
Auffassung, dass ihre Rechtsvorschriften nicht mehr im Sinne von Art. 68 Abs. 1
und 2 der Verordnung Nr. 883/2004 vorrangig seien, und teilte dies sowohl dem
Empfänger des Kindergelds als auch dem zuständigen polnischen Träger mit.
Denn der polnische Träger sei gemäß dem durch Art. 68 Abs. 3 dieser
Verordnung eingeführten Verfahren dafür zuständig, den Antrag so zu bearbeiten,
als ob er direkt bei ihm gestellt worden wäre, und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem
er beim zuständigen deutschen Träger eingereicht worden sei.
60 Insoweit ist klarzustellen, dass der Begriff „Antrag“, der nicht damit
gleichzusetzen ist, dass von den Behörden eines Mitgliedstaats wiederkehrende
Leistungen bezogen werden, ein administratives Vorgehen der betroffenen Person
erfordert (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 29. September 2022, Chief Appeals
Officer u. a., C-3/21, EU:C:2022:737, Rn. 31), so wie das des Klägers des
Ausgangsverfahrens, der den Fragebogen beantwortet hat, der im Rahmen eines
17
Urteil VOM 25. 4.2024 - RECHTSSACHE C-36/23
Verfahrens zur Überprüfung des Kindergeldanspruchs übersandt wurde, um die
angegebenen Daten zu bestätigen.
61 Sind alle anderen nach den polnischen Rechtsvorschriften geltenden formellen
und materiellen Voraussetzungen für die Gewährung von Familienleistungen
erfüllt, darf die Republik Polen die Gewährung von Familienleistungen nicht mit
rein formalen Einwendungen im Zusammenhang mit diesem Antrag verweigern.
Dies gilt umso mehr, als die Gründe, aus denen eine Person die Stellung eines
förmlichen Antrags ablehnt oder nicht beabsichtigt, für die Antwort des
Gerichtshofs unerheblich sind (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 14. Oktober 2010,
Schwemmer, C-16/09, EU:C:2010:605, Rn. 54).
62 Unter diesen Umständen muss der deutsche Träger, wenn der vorrangig
zuständige polnische Träger die im Ausgangsverfahren fraglichen
Familienleistungen nicht zahlt und zum Weiterleitungsantrag nicht Stellung
nimmt, als zuerst angerufener Träger zwar die nach seinen Rechtsvorschriften
vorgesehenen Leistungen zahlen; er kann aber später vom zuständigen polnischen
Träger die Erstattung des Betrags der Familienleistungen verlangen, der den
Betrag übersteigt, den er nach der Verordnung Nr. 883/2004 leisten musste.
63 Wie der Gerichtshof bereits entschieden hat, sind nach Art. 68 Abs. 3 Buchst, a
der Verordnung Nr. 883/2004 und Art. 60 Abs. 2 und 3 der Verordnung
Nr. 987/2009 der Träger des vorrangig zuständigen Mitgliedstaats und der Träger
des nachrangig zuständigen Mitgliedstaats miteinander verbunden, und der Antrag
auf Familienleistungen, der bei einem von ihnen gestellt wurde, ist von diesen
beiden Trägern gemeinsam zu erledigen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom
25. November 2021, Finanzamt Österreich [Familienleistungen für
Entwicklungshelfer], C-372/20, EU:C:2021:962, Rn. 66).
64 Außerdem ergibt sich aus dem Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit, wie er
durch Art. 60 Abs. 5 der Verordnung Nr. 987/2009 sowie durch Art. 84 der
Verordnung Nr. 883/2004 konkretisiert wurde, dass ein Mitgliedstaat von einem
anderen Mitgliedstaat die Erstattung der überzahlten Familienleistung,
einschließlich für die Vergangenheit, verlangen kann, sofern die in der Regelung
des zweiten Mitgliedstaats bestimmten formellen und materiellen
Voraussetzungen für die Vergangenheit als erfüllt gelten.
65 Ein anderes Verständnis, das darin bestünde, einem der zuständigen Träger
mangelnde Zusammenarbeit in Bezug auf die Höhe der dem Empfänger zu
zahlenden Familienleistungen vorzuwerfen, oder das den Empfänger verpflichten
würde, die Beträge zu erstatten, die von einem Träger gezahlt wurden, der dafür
aber nicht zuständig war, klar den Antikumulierungsvorschriften zuwiderlaufen,
die dem Empfänger der von mehreren Mitgliedstaaten gezahlten Leistungen einen
Gesamtbetrag an Leistungen garantieren sollen, der gleich dem Betrag der
günstigsten Leistung ist, die ihm nach dem Recht nur eines dieser Staaten zusteht
(vgl. in diesem Sinne Urteile vom 14. Oktober 2010, Schwemmer, C-16/09,
EU:C:2010:605, Rn. 58 und die dort angeführte Rechtsprechung, sowie vom
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FAMILIENKASSE SACHSEN
18 . September 2019, Moser, C-32/18, EU:C:2019:752, Rn. 42 und die dort
angeführte Rechtsprechung).
66 Gemäß Art. 76 Abs. 4 der Verordnung Nr. 883/2004 sind zwar die in dieser
Verordnung genannten Behörden verpflichtet, alle Anfragen binnen einer
angemessenen Frist zu beantworten und den betroffenen Personen alle
erforderlichen Angaben zu übermitteln, damit diese die ihnen durch die
Verordnung eingeräumten Rechte wirksam ausüben können, doch müssen diese
Personen ihrerseits die Träger des zuständigen Mitgliedstaats und des
Wohnmitgliedstaats so bald wie möglich über jede Änderung ihrer persönlichen
oder familiären Situation unterrichten, die sich auf ihre Leistungsansprüche nach
der Verordnung auswirkt (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 29. September 2022,
Chief Appeals Officer u. a„ C-3/21, EU:C:2022:737, Rn. 34).
67 Sollte im vorliegenden Fall festzustellen sein, dass die Erklärung des Klägers des
Ausgangsverfahrens, dass seine Ehefrau in Polen nicht arbeite, nicht den
Tatsachen entspricht, was zu prüfen Sache des vorlegenden Gerichts ist, bestünde
die Abhilfe für eine solche Verletzung der Informationspflicht jedoch nicht in der
Rückforderung der Leistungen gemäß Art. 68 der Verordnung Nr. 883/2004,
sondern in der Anwendung angemessener Maßnahmen des nationalen Rechts, die
nach Art. 76 Abs. 5 der Verordnung zudem die Grundsätze der Äquivalenz und
der Effektivität beachten müssen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 29. September
2022, Chief Appeals Officer u. a„ C-3/21, EU:C:2022:737, Rn. 43).
68 Nach alledem ist auf die erste Frage zu antworten, dass Art. 68 der Verordnung
Nr. 883/2004, der Prioritätsregeln bei Zusammentreffen von Ansprüchen auf
Familienleistungen festlegt, dahin auszulegen ist, dass er es dem Träger eines
Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften nach den in Abs. 1 dieses Artikels
genannten Kriterien nachrangig sind, nicht gestattet, von der betroffenen Person in
diesem Mitgliedstaat gezahlte Familienleistungen aufgrund dessen teilweise
zurückzuverlangen, dass nach den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften eines
anderen Mitgliedstaats ein Anspruch auf solche Leistungen besteht, sofern in
diesem anderen Mitgliedstaat eine Familienleistung weder festgesetzt noch
ausgezahlt wurde; er gestattet es diesem Träger jedoch, von dem vorrangig
zuständigen Träger die Erstattung des Betrags der Leistungen zu verlangen, der
den Betrag übersteigt, den er nach der Verordnung leisten musste.
Zur zweiten und zur dritten Frage
69 In Anbetracht der Antwort auf die erste Frage erübrigt sich eine Beantwortung der
zweiten und der dritten Frage.
Kosten
70 Für die Beteiligten des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren Teil des beim
vorlegenden Gericht anhängigen Verfahrens; die Kostenentscheidung ist daher
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URTEIL VOM 25.4. 20 2 4 RECHTSSACHE C-36 23
Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Siebte Kammer) für Recht erkannt:
Art. 68 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit, der Prioritätsregeln bei Zusammentreffen von
Ansprüchen auf Familienleistungen festlegt,
ist dahin auszulegen, dass
er es dem Träger eines Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften nach den in
Abs. 1 dieses Artikels genannten Kriterien nachrangig sind, nicht gestattet,
von der betroffenen Person in diesem Mitgliedstaat gezahlte
Familienleistungen aufgrund dessen teilweise zurückzuverlangen, dass nach
den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats ein
Anspruch auf solche Leistungen besteht, sofern in diesem anderen
Mitgliedstaat eine Familienleistung weder festgesetzt noch ausgezahlt wurde;
er gestattet es diesem Träger jedoch, von dem vorrangig zuständigen Träger
die Erstattung des Betrags der Leistungen zu verlangen, der den Betrag
übersteigt, den er nach der Verordnung leisten musste.
Biltgen Passer Arastey Sahun
Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 25. April 2024.
Der Kanzler Der Kammerpräsident
A. Calot Escobar F. Biltgen
Für die Richtigkeit der Abschrift,
Luxembung,den 25. 04. 2024 n „ .
Der Kanzler,
V.J Awdio- Daniel Dittert
Referatsleiter
20
4/29/24, 2:48 PM CURIA - Documents
Esialgne tõlge
EUROOPA KOHTU OTSUS (seitsmes koda)
25. aprill 2024(*)
Eelotsusetaotlus – Sotsiaalkindlustus – Määrus (EÜ) nr 883/2004 – Perehüvitised – Artikkel 68 –
Prioriteetsuse määramise eeskirjad kattumise puhul – Teises järjekorras pädeva liikmesriigi asutuse
kohustus edastada perehüvitiste taotlus eelisjärjekorras pädevale liikmesriigi asutusele – Perehüvitiste
taotlemata jätmine lapse elukohaliikmesriigis – Selliste perehüvitiste osaline tagasimaksmine, mis
maksti ühe vanema töötamise liikmesriigis
Kohtuasjas C‑36/23,
mille ese on ELTL artikli 267 alusel Finanzgericht Bremeni (Bremeni maksukohus, Saksamaa)
19. jaanuari 2023. aasta otsusega esitatud eelotsusetaotlus, mis saabus Euroopa Kohtusse 25. jaanuaril
2023, menetluses
L
versus
Familienkasse Sachsen der Bundesagentur für Arbeit,
EUROOPA KOHUS (seitsmes koda),
koosseisus: koja president F. Biltgen (ettekandja), kohtunikud J. Passer ja M. L. Arastey Sahún,
kohtujurist: J. Richard de la Tour,
kohtusekretär: ametnik N. Mundhenke,
arvestades kirjalikku menetlust ja 22. novembri 2023. aasta kohtuistungil esitatut,
arvestades seisukohti, mille esitasid:
– Familienkasse Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, esindaja: M. Gößling,
– Saksamaa valitsus, esindaja: J. Möller,
– Tšehhi valitsus, esindajad: M. Smolek ja J. Vláčil,
– Itaalia valitsus, esindaja: G. Palmieri, keda abistas avvocato dello Stato L. Fiandaca,
– Madalmaade valitsus, esindajad: E. M. M. Besselink ja K. Bulterman,
– Poola valitsus, esindajad: B. Majczyna, J. Lachowicz ja A. Siwek‑Ślusarek,
– Slovakkia valitsus, esindajad: E. V. Drugda ja S. Ondrášiková,
– Euroopa Komisjon, esindajad: F. Clotuche‑Duvieusart ja B.‑R. Killmann,
arvestades pärast kohtujuristi ärakuulamist tehtud otsust lahendada kohtuasi ilma kohtujuristi
ettepanekuta,
on teinud järgmise
https://curia.europa.eu/juris/document/document_print.jsf?mode=lst&pageIndex=0&docid=285191&part=1&doclang=ET&text=&dir=&occ=first&c… 1/12
4/29/24, 2:48 PM CURIA - Documents
otsuse
1 Eelotsusetaotlus puudutab küsimust, kuidas tõlgendada Euroopa Parlamendi ja nõukogu 29. aprilli
2004. aasta määruse (EÜ) nr 883/2004 sotsiaalkindlustussüsteemide koordineerimise kohta (ELT 2004,
L 166, lk 1; ELT eriväljaanne 05/05, lk 72, ja parandus ELT 2009, L 202, lk 90) artiklit 68.
2 Taotlus on esitatud L-i ja Familienkasse Sachsen der Bundesagentur für Arbeiti (Saksamaa
Liitvabariigi tööturuameti Saksimaa peretoetuste kassa, edaspidi „peretoetuste kassa“) vahelises
kohtuvaidluses seoses sellega, et peretoetuste kassa nõudis L‑ile makstud peretoetuste osalist
tagasimaksmist.
Õiguslik raamistik
Liidu õigus
Määrus nr 1408/71
3 Nõukogu 14. juuni 1971. aasta määruse (EMÜ) nr 1408/71 sotsiaalkindlustusskeemide kohaldamise
kohta ühenduse piires liikuvate töötajate, füüsilisest isikust ettevõtjate ja nende pereliikmete suhtes
(nõukogu 2. detsembri 1996. aasta määrusega (EÜ) nr 118/97 (EÜT 1997, L 28, lk 1; ELT
eriväljaanne 05/03, lk 3) muudetud ja ajakohastatud redaktsioonis) (edaspidi „määrus nr 1408/71)
artiklis 76 oli ette nähtud:
„1. Kui ühel ja samal ajavahemikul antakse perehüvitisi sama pereliikme eest ja töötamise või
tegutsemise tõttu selle liikmesriigi õigusaktide alusel, kelle territooriumil pereliikmed elavad,
peatatakse õigus saada hüvitisi teise liikmesriigi õigusaktide alusel asjakohasel juhul artikli 73 või 74
alusel selle summa ulatuses, mida antakse esimese liikmesriigi õigusaktide alusel.
2. Kui hüvitisi ei taotleta liikmesriigis, mille territooriumil pereliikmed elavad, võib teise
liikmesriigi pädev asutus lõike 1 sätteid kohaldada nii, nagu oleksid hüvitised määratud esimeses
liikmesriigis.“
Määrus nr 883/2004
4 Määruse nr 883/2004 põhjenduses 35 on märgitud:
„Selleks et vältida hüvitiste lubamatut kattumist, on vaja kehtestada prioriteetsuse määramise eeskirjad
juhuks, kui perehüvitist on õigus saada nii pädeva liikmesriigi õigusaktide alusel kui ka pereliikmete
elukoha liikmesriigi õigusaktide alusel.“
5 Määruse artikli 1 punktid a–c sisaldavad järgmisi määratlusi:
„Käesolevas määruses kasutatakse järgmisi mõisteid:
a) töötamine – tegevus või samaväärne olukord, mida sellena käsitletakse vastavalt selle liikmesriigi
sotsiaalkindlustusalastele õigusaktidele, kus selline tegevus või samaväärne olukord esineb;
b) tegevus füüsilisest isikust ettevõtjana – tegevus või samaväärne olukord, mida sellena käsitletakse
vastavalt selle liikmesriigi sotsiaalkindlustusalastele õigusaktidele, kus selline tegevus või
samaväärne olukord esineb;
c) kindlustatud isik – III jaotise 1. ja 3. peatükis sätestatud sotsiaalkindlustusliikide puhul isik, kes
vastab selle liikmesriigi õigusaktides sätestatud tingimustele, kes II jaotise kohaselt on õigustatud
hüvitisi saama käesoleva määruse sätteid arvesse võttes“.
6 Määruse artikli 11 lõikes 3 on sätestatud:
„Arvestades artiklites 12–16 sätestatut:
https://curia.europa.eu/juris/document/document_print.jsf?mode=lst&pageIndex=0&docid=285191&part=1&doclang=ET&text=&dir=&occ=first&c… 2/12
4/29/24, 2:48 PM CURIA - Documents
a) liikmesriigis töötava või füüsilisest isikust ettevõtjana tegutseva isiku suhtes kohaldatakse selle
liikmesriigi õigusakte;
[…]“.
7 Sama määruse III jaotise „Erisätted eri kategooriate hüvitiste kohta“ perehüvitisi käsitlev 8. peatükk
sisaldab artikleid 67–69.
8 Määruse nr 883/2004 artiklis 67 „Teises liikmesriigis elavad pereliikmed“ on ette nähtud:
„Isikul on õigus perehüvitistele kooskõlas pädeva liikmesriigi õigusaktidega, sealhulgas oma teises
liikmesriigis elavate pereliikmete jaoks, nagu elaksid nad esimesena nimetatud liikmesriigis.
Pensionäril on õigus perehüvitistele vastavalt tema pensioni suhtes pädeva liikmesriigi õigusaktidele.“
9 Määruse artiklis 68 „Prioriteetsuse määramise eeskirjad kattumise puhul“ on sätestatud:
„1. Kui samal perioodil ja samadele pereliikmetele antakse hüvitisi enam kui ühe liikmesriigi
õigusaktide alusel, rakendatakse järgmisi prioriteetsuse eeskirju:
a) kui hüvitisi maksavad mitu liikmesriiki erinevatel alustel, on prioriteetsusjärjekord järgmine:
esmalt õigused, mis saadakse töötamise või füüsilisest isikust ettevõtjana tegutsemise alusel,
teiseks õigused, mis saadakse pensioni saamise alusel, ja lõpuks elukohast tulenevad õigused;
b) kui hüvitisi maksavad mitu liikmesriiki samadel alustel, kehtestatakse prioriteetsusjärjekord
järgmistele allkriteeriumitele viitamisega:
i) töötamise või füüsilisest isikust ettevõtjana tegutsemise alusel saadavate õiguste puhul: laste
elukoht, tingimusel et seal selline tegevus eksisteerib, ja lisaks, kui see on asjakohane,
vastuolulistes õigusaktides sätestatud hüvitiste suurim summa. Viimasel juhul jagatakse
hüvitiste kulu kooskõlas rakendusmääruses kehtestatud kriteeriumitega;
[…]
iii) elamise alusel saadavate õiguste puhul: laste elukoht.
2. Kattuvate õiguste puhul antakse perehüvitisi kooskõlas õigusaktidega, mis on prioriteetsed
vastavalt lõikele 1. Õigus perehüvitistele peatatakse ühe või mitme riigi vastuoluliste õigusaktide korral
esimesena nimetatud õigusaktidega sätestatud summa ulatuses ja seda summat ületava summa puhul
antakse vajadusel diferentseeritud lisahüvitist. Sellist diferentseeritud lisahüvitist pole vaja anda teises
liikmesriigis elavatele lastele, kui õigus kõnealusele hüvitisele tugineb üksnes elukohal.
3. Kui artikli 67 alusel esitatakse perehüvitiste taotlus selle liikmesriigi pädevale asutusele, mille
õigusakte kohaldatakse, kuid mitte eelisõiguse alusel kooskõlas käesoleva artikli lõigetega 1 ja 2, siis:
a) see asutus edastab taotluse viivitamata selle liikmesriigi pädevale asutusele, kelle õigusakte
eelisjärjekorras kohaldatakse, teavitab asjaomast isikut ja, ilma et see piiraks rakendusmääruse
sätete kohaldamist hüvitiste ajutise määramise suhtes, annab vajadusel lõikes 2 nimetatud
diferentseeritud lisahüvitist;
b) selle liikmesriigi pädev asutus, mille õigusakte eelisjärjekorras kohaldatakse, käsitleb taotlust,
nagu oleks see esitatud otse sellele asutusele, ja sellise taotluse esimesele asutusele esitamise
kuupäeva käsitletakse eelistatud asutusele nõude esitamise kuupäevana.“
10 Määruse artikli 76 lõiked 4 ja 5 on sõnastatud järgmiselt:
„4. Käesoleva määrusega hõlmatud asutustel ja isikutel lasub vastastikuse teavitamise ja koostöö
kohustus käesoleva määruse korrektse rakendamise tagamiseks.
[…]
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Asjaomased isikud peavad teavitama pädeva liikmesriigi ja elukohajärgse liikmesriigi asutusi esimesel
võimalusel muudatustest nende isiklikus või pereolukorras, mis mõjutab nende õigust hüvitistele
käesoleva määruse alusel.
5. Lõike 4 kolmandas lõigus osutatud teabekohustuse mittetäitmisel võidakse kohaldada
proportsionaalseid meetmeid kooskõlas siseriiklike õigusaktidega. Need meetmed on sellegipoolest
samaväärsed samasugustes olukordades siseriiklike õigusaktide alusel rakendatavatega ja ei põhjusta
taotlejatele erakordseid raskusi neile käesoleva määrusega antud õiguste rakendamisel ega muuda seda
võimatuks.“
11 Sama määruse artiklis 81 on ette nähtud:
„Iga taotlus, avaldus või kaebus, mis ühe liikmesriigi õigusaktide rakendamiseks tuleks esitada selle
liikmesriigi võimuorganile, asutusele või kohtule teatava tähtaja jooksul, loetakse õigeaegselt esitatuks,
kui see on sama tähtaja jooksul esitatud teise liikmesriigi vastavale võimuorganile, asutusele või
kohtule. Sellisel juhul saadab taotluse, avalduse või kaebuse saanud võimuorgan, asutus või kohus selle
viivitamata edasi esimesena nimetatud liikmesriigi pädevale võimuorganile, asutusele või kohtule kas
otse või asjaomaste liikmesriikide pädevate võimuorganite kaudu. Selliste taotluste, avalduste või
kaebuste esitamise kuupäev teisena nimetatud liikmesriigi võimuorganile, asutusele või kohtule
loetakse nende pädevale võimuorganile, asutusele või kohtule esitamise kuupäevaks.“
12 Määruse nr 883/2004 artikkel 84 „Sissemaksete kogumine ja hüvitiste sissenõudmine“ on sõnastatud
järgmiselt:
„1. Ühe liikmesriigi asutuse sissemaksete kogumist ja ühe liikmesriigi asutuse antavate hüvitiste
sissenõudmist, mille tähtpäev pole veel saabunud, saab teostada teises liikmesriigis kooskõlas
menetluste ning tagatiste ja privileegidega, mida kohaldatakse sissemaksete kogumise suhtes, mille
maksetähtpäev on saabunud, viimatinimetatud liikmesriigi vastava asutuse puhul ja selle asutuse
antavate hüvitiste sissenõudmise suhtes, mille maksetähtpäev pole veel saabunud.
2. Kohtu- ja haldusvõimude täitmisele pööratavad sissemaksete, intressi ja mis tahes muude maksete
kogumise või antud hüvitiste sissenõudmisega, mille maksetähtpäev pole veel saabunud, ühe
liikmesriigi õigusaktide alusel seotud otsuseid tunnustatakse ja pööratakse täitmisele pädeva asutuse
nõudmisel teises liikmesriigis neis piirides ja kooskõlas menetlustega, mis on sätestatud õigusaktide ja
mis tahes muude sarnaste otsuste suhtes kohaldatavate menetlustega viimatinimetatud liikmesriigis.
Sellised otsused kuulutatakse selles liikmesriigis täitmisele pööratavateks, kuivõrd seda nõuavad
õigusaktid ja mis tahes muud selle liikmesriigi menetlused.
[…]“.
Määrus (EÜ) nr 987/2009
13 Euroopa Parlamendi ja nõukogu 16. septembri 2009. aasta määruse (EÜ) nr 987/2009, milles
sätestatakse määruse (EÜ) nr 883/2004 (sotsiaalkindlustussüsteemide koordineerimise kohta)
rakendamise kord (ELT 2009, L 284, lk 1), artikli 3 lõikes 2 on sätestatud:
„Isikud, kelle suhtes kohaldatakse [määrust nr 883/2004], peavad esitama asjakohasele asutusele teabe,
dokumendid või tõendusmaterjali, mida on vaja nimetatud isikute või nende perekonna olukorra
kindlakstegemiseks, nende õiguste ja kohustuste kehtestamiseks või säilitamiseks ning kõnealuste
isikute suhtes kohaldatavate õigusaktide ja nendest tulenevate kohustuste kindlaksmääramiseks.“
14 Määruse artiklis 60 on ette nähtud:
„1. Perehüvitiste taotlus esitatakse pädevale asutusele. [Määruse nr 883/2004] artiklite 67 ja 68
kohaldamisel võetakse kogu perekonna olukorda arvesse nii, nagu kõigi asjaomaste isikute suhtes
kohaldataks asjaomase liikmesriigi õigusakte, ning nii, nagu nad elaksid seal, seda eelkõige seoses
isiku õigusega taotleda selliseid hüvitisi. Kui hüvitiste taotlemise õigusega isik ei kasuta oma õigust,
võtab selle liikmesriigi pädev asutus, kelle õigusakte kohaldatakse, arvesse perehüvitiste taotlust, mille
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on esitanud teine vanem, vanemana käsitatav isik või lapse või laste hooldajana tegutsev isik või
asutus.
2. Asutus, kellele esitatakse taotlus vastavalt lõikele 1, vaatab taotluse läbi taotleja esitatud
üksikasjaliku teabe alusel, võttes arvesse taotleja perekonna üldist tegelikku ja õiguslikku olukorda.
Kui nimetatud asutus järeldab, et tema kohaldatavad õigusaktid on [määruse nr 883/2004] artikli 68
lõigete 1 ja 2 kohaselt kohaldatavad prioriteetsusõiguse alusel, maksab ta perehüvitisi vastavalt oma
kohaldatavatele õigusaktidele.
Kui nimetatud asutusele tundub, et teise liikmesriigi õigusaktide kohaselt võib olla olemas võimalus
saada diferentseeritud lisahüvitist kooskõlas [määruse nr 883/2004] artikli 68 lõikega 2, edastab
kõnealune asutus taotluse viivitamata teise liikmesriigi pädevale asutusele ning teavitab asjaomast
isikut; lisaks teavitab ta teise liikmesriigi asutust otsusest, mille ta taotluse suhtes tegi, ning teatab
perehüvitisteks makstava summa.
3. Kui asutus, kellele esitatakse taotlus, järeldab, et tema õigusaktid on kohaldatavad, kuid mitte
[määruse nr 883/2004] artikli 68 lõigete 1 ja 2 kohase prioriteetsusõiguse alusel, teeb ta viivitamatult
esialgse otsuse kohaldatavate prioriteetsuse määramise eeskirjade kohta ning edastab taotluse [määruse
nr 883/2004] artikli 68 lõike 3 kohaselt teise liikmesriigi asutusele, teavitades sellest ka taotlejat.
Kõnealune asutus esitab esialgse otsuse kohta oma seisukoha kahe kuu jooksul.
Kui asutus, kellele taotlus edastati, ei esita kahe kuu jooksul alates taotluse saamisest oma seisukohta,
on kehtiv eespool nimetatud esialgne otsus ja asutus maksab tema kohaldatavate õigusaktidega ette
nähtud hüvitisi ning teatab asutusele, kellele taotlus esitati, makstud hüvitiste summa.
[…]
5. Kui hüvitised ajutiselt välja maksnud asutus on maksnud rohkem kui summa, mille ta lõplikult
maksma peab, võib ta nõuda esmaselt vastutavalt asutuselt üleliigselt makstud summa tagasimaksmist
rakendusmääruse artiklis 73 sätestatud korra kohaselt.“
Saksa õigus
15 Tulumaksuseaduse (Einkommensteuergesetz) põhikohtuasjas kohaldatavas redaktsioonis (edaspidi
„EStG“) on § 31 kolmandas lauses ette nähtud:
„Käimasoleva kalendriaasta jooksul makstakse peretoetusi igal kuul maksutagastuse vormis.“
16 EStG § 32 lõiked 1 ja 3 on sõnastatud järgmiselt:
„(1) Lapsed on määratletud kui
1. maksukohustuslasega esimese astme suguluses olevad lapsed.
[…]
(3) Last võetakse arvesse alates kalendrikuust, mil ta sündis, ja igal järgneval kalendrikuul, mille
alguseks ta ei ole saanud 18‑aastaseks.“
17 EStG § 62 lõikes 1 on sätestatud:
„Käesoleva seaduse alusel on §‑s 63 nimetatud laste eest õigus peretoetusi saada isikutel:
1. kelle alaline elukoht või harilik viibimiskoht on riigi territooriumil või
2. kelle alaline elukoht või harilik viibimiskoht ei ole riigi territooriumil,
a) tingimusel, et tema suhtes kohaldatakse § 1 lõike 2 alusel piiramatut tulumaksukohustust,
või
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b) tingimusel, et teda käsitatakse vastavalt § 1 lõikele 3 isikuna, kelle suhtes kohaldatakse
piiramatut tulumaksukohustust.
[…]“.
18 EStG § 63 lõige 2 on sõnastatud järgmiselt:
„1Lapsed on määratletud kui
1. lapsed § 32 lõike 1 tähenduses,
[…]
2Paragrahvi 32 lõikeid 3–5 kohaldatakse analoogia alusel. […]“.
19 EStG § 70 lõikes 2 on ette nähtud:
„1 Kui peretoetuste saamise õiguse seisukohalt olulised asjaolud muutuvad, tuleb peretoetuste
määramine tühistada või seda muuta alates asjaolude muutumise kuupäevast. […]“.
20 Maksuseadustiku (Abgabenordnung) põhikohtuasjas kohaldatavas redaktsioonis on §‑s 37 sätestatud:
„(1) Maksudega seotud nõuded on maksunõue, maksutagastuse nõue, vastutusest tulenev nõue,
maksualase kõrvalkohustuse nõue, lõike 2 kohane tagastusnõue ja maksuseadustes eraldi reguleeritud
tagastusnõuded.
(2)1 Kui maks, maksutagastus, vastutusest tuleneva nõude summa või maksualane kõrvalkohustus
on tasutud või tagasi makstud alusetult, on isikul, kelle arvel makse tehti, õigus esitada makse saajale
tagastusnõue makstud või tagasimakstud summa ulatuses. 2See kehtib ka juhul, kui maksmise või
tagasimaksmise õiguslik alus hiljem ära langeb.“
Põhikohtuasi ja eelotsuse küsimused
21 Põhikohtuasja kaebaja on Poola kodanik, kes töötab juba mitu aastat Saksamaal. Ta abikaasa elab
Poolas koos nende ühise lapsega, kes sündis 2008. aastal.
22 Põhikohtuasja kaebaja esitas 2016. aastal taotluse peretoetuste saamiseks Saksamaal, kinnitades, et ta
töötab Saksamaal ja et tema abikaasa Poolas ei tööta. Peretoetuste kassa rahuldas selle taotluse
põhjendusel, et Saksamaa õigusaktid, mis annavad õiguse peretoetustele, on põhikohtuasja kaebaja
töötamise ajavahemiku suhtes kohaldatavad eelisjärjekorras.
23 Peretoetuste saamise õiguse kontrollimiseks saatis peretoetuste kassa põhikohtuasja kaebajale
2019. aastal küsimustiku esitatud andmete kinnitamiseks ning palus Poola pädevatelt asutustelt teavet
põhikohtuasja kaebaja abikaasa võimaliku töötamise ja Poola perehüvitiste saamise õiguse kohta.
24 Nimetatud asutused vastasid, et põhikohtuasja kaebaja abikaasa töötab alates 2006. aastast ning teeb
sissemakseid Poola põllumajandustootjate sotsiaalkindlustusskeemi, kuid ta ei saa Poola perehüvitisi.
Kuigi 2019. aastal Poolas tehtud seadusemuudatusest alates oli nüüd võimalik saada nn perekonna
500+ hüvitisi ilma sissetulekutingimuseta, teatas põhikohtuasja kaebaja abikaasa siiski, et ta ei soovi
sellekohast taotlust esitada.
25 Selle vastuse peale tühistas peretoetuste kassa EStG § 70 lõike 2 kohaselt alates 2020. aasta oktoobrist
Saksamaa peretoetuste määramise selle perehüvitiste summa ulatuses, mis on Poolas seadusega ette
nähtud.
26 Poola pädevatele asutustele saadetud „taotluses otsustada pädevuse üle“ palus peretoetuste kassa neil
kontrollida õigust perehüvitistele alates 2019. aasta juulist. Need asutused vastasid eelkõige, et
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põhikohtuasja kaebaja abikaasa ei ole alates 1. juulist 2019 saanud ühtegi seda liiki hüvitist ning et ta ei
ole soovinud esitada taotlust selliste hüvitiste saamiseks.
27 Peretoetuste kassa tühistas 6. jaanuari 2021. aasta otsusega peretoetuste määramise ajavahemiku eest
2019. aasta juulist kuni 2020. aasta septembrini Poolas seadusega ettenähtud perehüvitiste summa
ulatuses ja nõudis põhikohtuasja kaebajalt tagasi selle ajavahemiku eest enammakstud peretoetused,
milleks on selle ajavahemiku eest makstud nimetatud toetused summas 1674,60 eurot.
28 Pärast selle otsuse muutmise vaide rahuldamata jätmist esitas põhikohtuasja kaebaja kaebuse
eelotsusetaotluse esitanud kohtule, Finanzgericht Bremenile (Bremeni maksukohus, Saksamaa).
29 Põhikohtuasja kaebaja põhjendab oma kaebust sellega, et tema abikaasa ei tööta, kuna
põllumajandustalus, mille ta oma vanematelt päris, sellise tegevusega ei tegeleta. Kindlustus Poola
põllumajandustootjate sotsiaalkindlustussüsteemis, kuhu ta kindlustusmakseid teeb, oli sõlmitud selle
talu omandiõiguse tõttu ega eelda tegevust iseendale tööandjaks oleva põllumajandustootjana. Lisaks ei
taotlenud ega saanud tema abikaasa käesoleva kohtuotsuse punktis 27 nimetatud ajavahemikul Poolas
peretoetusi.
30 Peretoetuste kassa väidab eelkõige, et põhikohtuasja kaebaja abikaasal on õigus nn perekonna 500+
hüvitistele, mille maksmisele ei ole alates 2019. aasta juulist seatud sissetuleku saamise tingimust.
Lisaks, nagu nähtub Poola pädevatelt asutustelt saadud teabest, tuleb asuda seisukohale, et kõnealune
abikaasa töötab Poolas. Määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 1 punkti b alapunktist i tuleneb, et
perehüvitisi tuleb maksta eelisjärjekorras selles liikmesriigis, kuna põhikohtuasja kaebaja laps ja
abikaasa elavad seal.
31 Eelotsusetaotluse esitanud kohus leiab, et määrusega nr 883/2004 kehtetuks tunnistatud määrust
nr 1408/71 käsitlevast Euroopa Kohtu praktikast, eelkõige 14. oktoobri 2010. aasta kohtuotsusest
Schwemmer (C‑16/09, EU:C:2010:605), tuleneb, et perehüvitiste saamise õiguse peatamine selle
õiguse olemasolu tõttu teises liikmesriigis on mõeldav üksnes juhul, kui perehüvitist maksab tegelikult
see teine liikmesriik, ning et sellise hüvitise maksmata jätmise korral ei oma tähtsust asjaolu, et
maksmata jätmine on tingitud üksnes asjaolust, et vastavat taotlust ei ole esitatud.
32 Eelotsusetaotluse esitanud kohus märgib siiski, et määruse nr 883/2004 kehtivusajal esinevate
olukordade kohta leidis Bundesfinanzhof (Saksamaa Liitvabariigi kõrgeim maksukohus), et määruse
artikli 68 lõike 3 punktis b ja artiklis 81 kehtestatud fiktsiooni alusel käsitatakse perehüvitiste taotlust,
mis on esitatud liikmesriigis, mille õigusakte ei kohaldata eelisjärjekorras, samuti perehüvitiste
taotlusena, mis on esitatud samal kuupäeval liikmesriigis, mille õigusakte kohaldatakse eelisjärjekorras,
mis võimaldab asuda seisukohale, et viimati nimetatud riigis esitatud taotluse raames on täidetud
vorminõue õiguse tekkimiseks. Bundesfinanzhofi (kõrgeim maksukohus) arvates on see nii isegi juhul,
kui esimene riik ei ole teadlik piiriülese elemendi olemasolust, kuna taotleja ei ole teda sellest
teavitanud, ning seega ei edasta ta taotlust teisele liikmesriigile. Sellest järeldub, et nimetatud määruse
artikli 68 sätted ei ole kohaldatavad ainult siis, kui selles liikmesriigis, mille õigusaktid on
eelisjärjekorras kohaldatavad, ei ole õiguse materiaalõiguslikud tingimused täidetud, eelkõige seetõttu,
et on ületatud vanusepiiri või sissetuleku ülempiiri.
33 Eelotsusetaotluse esitanud kohus rõhutab, et määruse nr 883/2004 eesmärk on – nagu nähtub selle
põhjendusest 35 – vältida hüvitiste lubamatut kattumist juhul, kui mitme liikmesriigi õigusaktidest
tulenev õigus perehüvitistele kattub, mistõttu määruse artiklis 68 sätestatud prioriteetsuse määramise
eeskirjade tagajärg ei tohi põhimõtteliselt olla see, et õigustatud isikule makstakse väiksemaid hüvitisi
kui need, mida talle makstaks juhul, kui neid prioriteetsuse määramise eeskirju ei kohaldataks.
34 Määruse artikli 68 lõike 3 kohta leiab eelotsusetaotluse esitanud kohus, et selliste taotluste
võrdsustamine, nagu on kirjeldatud käesoleva kohtuotsuse punktis 32 ning mis on nimetatud sättes ette
nähtud ja mille eesmärk on lihtsustada menetlust õigustatud isiku jaoks, ei mõjuta asjaolu, et
perehüvitiste määramise taotluste esitamise tähtaegu ja selliste hüvitiste tagasiulatuva määramise
võimalust reguleerivad jätkuvalt riigisisesed õigusaktid ning seetõttu on sellise iga-aastase eelneva
taotluse esitamine Poolas nõutav. Lisaks puudutab lõike 3 punktis a osutatud menetlus üksnes olukorda,
kus tuleb teha otsus perehüvitiste taotluse kohta, mida ei ole veel läbi vaadatud.
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35 Kui see aga nii ei ole ja kui määruse nr 883/2004 artikli 68 lõikes 1 ette nähtud prioriteetsuse
määramise eeskirju tuleb kohaldada niisuguses olukorras, nagu on kõne all põhikohtuasjas, soovib
eelotsusetaotluse esitanud kohus teada, kas asjaomaste liikmesriikide vaheline prioriteetsus tuleb
kindlaks määrata riigisiseses õiguses ette nähtud õiguste tekkimise tingimuste või selle määruse
artiklites 11–16 sätestatud kriteeriumide alusel. Mis puudutab teist võimalust, siis soovib
eelotsusetaotluse esitanud kohus teada, kas tuleb eeldada, et isik töötab või tegutseb füüsilisest isikust
ettevõtjana liikmesriigis, kui selle liikmesriigi pädevad asutused seda kinnitavad, vaatamata selle isiku
vastupidisele väitele.
36 Neil asjaoludel otsustas Finanzgericht Bremen (Bremeni maksukohus) menetluse peatada ja esitada
Euroopa Kohtule järgmised eelotsuse küsimused:
„1. Kas määruse nr 883/2004 artikli 68 kohaselt võib Saksamaa peretoetusi viitega sellele, et
eelisjärjekorras on õigus saada toetusi teises liikmesriigis, tagantjärele osaliselt tagasi nõuda,
isegi kui teises liikmesriigis ei ole lapse eest perehüvitist määratud ega makstud ja seda ei tehta
ka edaspidi, mistõttu on summa, mis jääb Saksa õiguse alusel õigustatud isikule, lõppkokkuvõttes
väiksem kui Saksamaa peretoetused?
2. Juhul kui vastus esimesele küsimusele on jaatav[, siis k]as vastuse andmisel küsimusele, millistel
alustel peavad hüvitisi maksma mitu liikmesriiki määruse nr 883/2004 artikli 68 tähenduses,
nimelt mille tõttu tekivad koordineerimist vajavad õigused, tuleb lähtuda õiguste tekkimise
tingimustest, mis on sätestatud riigisisestes õigusnormides, või sellest, millistel asjaoludel
kohaldatakse asjaomaste isikute suhtes määruse nr 883/2004 artiklite 11–16 kohaselt vastavate
liikmesriikide õigusakte?
3. Juhul kui on tähtis, millistel asjaoludel kohaldatakse asjaomaste isikute suhtes määruse
nr 883/2004 artiklite 11–16 kohaselt vastavate liikmesriikide õigusakte[, siis k]as määruse
nr 883/2004 artiklit 68 koostoimes artikli 1 punktidega a ja b ning artikli 11 lõike 3 punktiga a
tuleb tõlgendada nii, et isiku töötamisest või tegevusest füüsilisest isikust ettevõtjana teises
liikmesriigis või olukorrast, mida peetakse sotsiaalkindlustust käsitlevate õigusaktide alusel
sellise tegevusega samaväärseks, tuleb lähtuda siis, kui teise liikmesriigi sotsiaalkindlustusasutus
kinnitab, et asjaomane isik on kindlustatud „põllumajandustootjana“, ja sealne pädev asutus, kes
vastutab perehüvitiste maksmise eest, kinnitab töötamist, isegi kui asjaomane isik väidab, et
kindlustus tuleneb üksnes põllumajandusettevõtte omandiõigusest, mis on registreeritud
põllumajandusmaana, kus tegelikult põllumajandustegevusega ei tegeleta?“
Eelotsuse küsimuste analüüs
Esimene küsimus
37 Esimese küsimusega soovib eelotsusetaotluse esitanud kohus sisuliselt teada, kas määruse nr 883/2004
artiklit 68, milles on sätestatud prioriteetsuse määramise eeskirjad perehüvitiste kattumise puhul, tuleb
tõlgendada nii, et see võimaldab sellise liikmesriigi asutusel, kelle õigusaktid ei ole selle artikli lõikes 1
sätestatud kriteeriumide kohaselt prioriteetsed, nõuda asjaomaselt isikult selliste nimetatud liikmesriigis
makstud hüvitiste osalist tagasimaksmist põhjusel, et teise liikmesriigi õigusaktides, mida kohaldatakse
eelisjärjekorras, on ette nähtud nende hüvitiste saamise õigus, ja seda isegi siis, kui selles teises
liikmesriigis ei ole kindlaks määratud ega välja makstud ühtegi perehüvitist.
38 Kõigepealt tuleb meenutada, et töötaja, kes töötab samamoodi nagu põhikohtuasja kaebaja ühes
liikmesriigis ja kelle perekond elab teise liikmesriigi territooriumil, kuulub määruse nr 883/2004
artikli 67 kohaldamisalasse.
39 Määruse nr 883/2004 artikliga 67 on kehtestatud põhimõte, et isik võib nõuda perehüvitisi
pereliikmete eest, kes elavad muus liikmesriigis kui hüvitiste maksmiseks pädev liikmesriik,
samamoodi nagu siis, kui nad elaksid viimati nimetatud liikmesriigis. Selle artikli eesmärk on
lihtsustada peretoetuste maksmist võõrtöötajatele selles liikmesriigis, kus nad töötavad, kuid kus nende
perekond nendega koos ei viibi (vt selle kohta 18. septembri 2019. aasta kohtuotsus Moser, C‑32/18,
EU:C:2019:752, punktid 35 ja 36 ning seal viidatud kohtupraktika).
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40 See võrdsustamise põhimõte ei ole aga absoluutne selles mõttes, et kui õigus saada hüvitisi on
tekkinud eri õigusaktide alusel, tuleb kohaldada määruse nr 883/2004 artiklis 68 ette nähtud
kattumisvastaseid eeskirju (vt selle kohta 13. oktoobri 2022. aasta kohtuotsus DN (perehüvitiste
tagasinõudmine), C‑199/21, EU:C:2022:789, punkt 33 ja seal viidatud kohtupraktika).
41 Nagu nähtub määruse nr 883/2004 põhjendusest 35, on nende eeskirjade eesmärk vältida hüvitiste
lubamatut kattumist juhuks, kui õigused perehüvitistele kattuvad.
42 Nii on määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 1 punktis a kindlaks määratud prioriteetsuse määramise
eeskirjad juhuks, kui hüvitisi maksavad mitu liikmesriiki erinevatel alustel, samas kui selle lõike
punktis b on sätestatud samal alusel makstavate hüvitiste prioriteetsusjärjekord. Sama artikli lõikes 2 on
ette nähtud, et kattuvate õiguste puhul antakse perehüvitisi kooskõlas prioriteetsena määratletud
õigusaktidega vastavalt artikli lõikele 1 ning teiste liikmesriikide õigusaktidest tulenevad õigused
perehüvitistele peatatakse esimesena nimetatud õigusaktidega sätestatud summa ulatuses ja seda
summat ületava summa puhul antakse summade vahe ulatuses lisahüvitist, kui see on asjakohane.
43 Mis puudutab prioriteetsuse määramise eeskirjade kohaldatavust, siis olgu meenutatud, et Euroopa
Kohtu praktika kohaselt ei piisa konkreetsel juhul kattumise tuvastamiseks sellest, et lapse
elukohajärgses liikmesriigis makstakse perehüvitisi ning samal ajal on perehüvitiste teises liikmesriigis
maksmine üksnes võimalus. Veel on vaja, et asjaomane isik vastaks kõikidele vormilistele ja sisulistele
tingimustele, mis on kõnealuse riigi õigusaktidega selle õiguse kasutamiseks ette nähtud ja mille hulka
võib olenevalt olukorrast kuuluda tingimus, et eelnevalt on taotlus esitatud (vt selle kohta 14. oktoobri
2010. aasta kohtuotsus Schwemmer, C‑16/09, EU:C:2010:605, punktid 52 ja 53, ning 13. oktoobri
2022. aasta kohtuotsus DN (perehüvitiste tagasinõudmine), C‑199/21, EU:C:2022:789, punktid 34
ja 35 ning seal viidatud kohtupraktika).
44 Seda kohtupraktikat, mis puudutab määruse nr 1408/71 artiklis 76 ette nähtud prioriteetsuse määramise
eeskirju, ei ole seadnud kahtluse alla määruse nr 883/2004 artikli 68 lõikes 3 ette nähtud mehhanismi
kehtestamine.
45 Sellega seoses tuleneb määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 3 punktist a, et sellise liikmesriigi pädev
asutus, kellele on esitatud perehüvitiste taotlus, kuid kelle õigusakte ei kohaldata eelisjärjekorras
vastavalt sama artikli lõigetele 1 ja 2, edastab selle taotluse viivitamata selle liikmesriigi pädevale
asutusele, kelle õigusakte eelisjärjekorras kohaldatakse, teavitab sellest asjaomast isikut ja maksab
vajaduse korral selle artikli lõikes 2 osutatud diferentseeritud lisahüvitist, ilma et see piiraks määruse
nr 987/2009 artikli 60 sätete kohaldamist hüvitiste ajutise väljamaksmise kohta.
46 Seoses viimati nimetatud artikliga, mida tuleb seetõttu, et selles on viidatud määruse nr 883/2004
artiklitele 67 ja 68, analüüsida nende artiklitega seoses (vt selle kohta 18. septembri 2019. aasta
kohtuotsus Moser, C‑32/18, EU:C:2019:752, punkt 34), olgu tõdetud, et kõnealuse lõike 3 esimeses
lõigus on sätestatud, et kui asutus, kellele esitatakse perehüvitiste taotlus ja kes leiab, et tema
õigusaktid ei ole prioriteetsed, teeb ta esialgse otsuse kohaldatavate prioriteetsuse määramise eeskirjade
kohta ning edastab taotluse teise liikmesriigi asutusele, teavitades sellest edastamisest ka taotlejat.
Sama lõike teises lõigus on täpsustatud, et kui asutus, kellele taotlus edastati, ei esita kahe kuu jooksul
alates taotluse saamisest oma seisukohta, on kehtiv esimesena taotluse saanud asutuse esialgne otsus ja
nimetatud asutus peab maksma tema kohaldatavate õigusaktidega ette nähtud hüvitisi.
47 Seega nähtub määruse nr 987/2009 artikli 60 sõnastusest selgelt, et perehüvitiste taotluse saanud
liikmesriigi asutus, kes leiab, et tema õigusaktid ei ole prioriteetsed, on kohustatud juhul, kui
eeldatavalt eelisjärjekorras pädev asutus ei võta seisukohta, maksma nende õigusaktide alusel ette
nähtud hüvitisi.
48 Järelikult ei saa see asutus niisugusel juhul peatada perehüvitiste maksmist selle summa ulatuses, mis
võib olla ette nähtud prioriteetseks peetavate õigusnormidega, ja maksta perehüvitisi diferentseeritud
lisahüvitisena seda summat ületavas osas.
49 Seda tõlgendust kinnitab ka määruse nr 987/2009 artikli 60 lõige 5, milles on ette nähtud, et kui
hüvitised ajutiselt välja maksnud asutus on maksnud rohkem kui summa, mille ta lõplikult maksma
peab, võib ta nõuda esmaselt vastutavalt asutuselt üleliigselt makstud summa tagasimaksmist.
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50 Lisaks on määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 3 punktis b ette nähtud, et selle liikmesriigi pädev
asutus, kelle õigusakte eelisjärjekorras kohaldatakse, käsitleb taotlust, nagu oleks see esitatud otse
sellele asutusele, ja sellise taotluse esimesele asutusele esitamise kuupäeva käsitletakse eelistatud
asutusele nõude esitamise kuupäevana.
51 Määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 3 sätteid täiendab määruse artikkel 81, mille kohaselt on taotluse
esitamisel muu liikmesriigi kui hüvitist maksva liikmesriigi võimuorganile, asutusele või kohtule
samasugused tagajärjed nagu siis, kui taotlus oleks esitatud otse viimati nimetatud liikmesriigi pädevale
asutusele, ning kuupäeva, millal taotlus esitati esimeses liikmesriigis, loetakse kuupäevaks, millal
taotlus on esitatud läbivaatamiseks pädevale võimuorganile, asutusele või kohtule.
52 Nende sätete eesmärk on hõlbustada võõrtöötajate liikumist seeläbi, et lihtsustatakse nende
haldusmenetluslikke samme, arvestades eri liikmesriikides kehtivate haldusmenetluste keerukust, ning
vältida seda, et asjaomased isikud jäävad oma õigustest ilma pelgalt vormivea tõttu (vt selle kohta
29. septembri 2022. aasta kohtuotsus Chief Appeals Officer jt, C‑3/21, EU:C:2022:737, punkt 26).
53 Seega, kui eeldatakse, et asjaomase isiku esitatud taotlus on automaatselt edastatud selle liikmesriigi
pädevale asutusele, kelle õigusakte eelisjärjekorras kohaldatakse, ning kuna fiktsiooni tõttu, et pädevale
asutusele taotluse esitamise kuupäeva tuleb pidada taotluse eelisjärjekorras läbivaatamise eest
vastutavale asutusele esitamise kuupäevaks, ei ole käesoleva kohtuotsuse punktis 43 nimetatud
tingimus, et eelnevalt on esitatud taotlus, põhimõtteliselt enam nõutav, et hinnata, kas prioriteetsuse
määramise eeskirjade kohaldamise seisukohast on tegemist hüvitiste kattumise olukorraga.
54 Sellegipoolest peavad olema täidetud eelisjärjekorras pädeva liikmesriigi õigusaktidega kehtestatud
kõik muud vormilised ja sisulised tingimused, kuna tuleb teha vahet perehüvitiste taotluse esitamise ja
perehüvitiste saamise õiguse vahel (vt selle kohta 22. oktoobri 2015. aasta kohtuotsus Trapkowski,
C‑378/14, EU:C:2015:720, punkt 46, ja 13. oktoobri 2022. aasta kohtuotsus DN (perehüvitiste
tagasinõudmine), C‑199/21, EU:C:2022:789, punkt 42).
55 Seoses sellega olgu märgitud, et liikmesriigid on jätkuvalt pädevad korraldama oma
sotsiaalkindlustussüsteeme ning et sotsiaalkindlustushüvitiste andmise tingimused, suurus ja kestus
ning taotluste esitamise tähtajad nende saamiseks määratakse kindlaks iga liikmesriigi õigusaktidega
(29. septembri 2022. aasta kohtuotsus Chief Appeals Officer jt, C‑3/21, EU:C:2022:737, punkt 39 ja
seal viidatud kohtupraktika).
56 Lisaks tuleneb määruse nr 883/2004 artikli 1 punktide a ja b sõnastusest, mis määratleb töötamise või
füüsilisest isikust ettevõtjana tegutsemise kui tegevuse või samaväärse olukorra, mida sellena
käsitatakse selle liikmesriigi sotsiaalkindlustusalastele õigusaktidele, kus selline tegevus või
samaväärne olukord esineb, et selle hindamine, kas isik tegeleb sellise tegevusega kõnealuse määruse
artikli 68 tähenduses, on selle liikmesriigi pädeva asutuse ülesanne, kus tegevust teostatakse.
57 Nimelt, kuna perehüvitiste määramise otsus sõltub asjaomase liikmesriigi õigusaktide tõlgendamisest
ja kohaldamisest, ei ole teise liikmesriigi asutusel võimalik hinnata, kas kõik selle tingimused on
täidetud. Kõnealune asutus peab seega piirduma tõdemisega, et teise liikmesriigi pädev asutus on kas
tegelikult asjaomasele isikule perehüvitisi määranud või nende määramisest õigustatud isikule
keeldunud (vt selle kohta 3. veebruari 1983. aasta kohtuotsus Robards, 149/82, EU:C:1983:26,
punkt 11).
58 Käesoleval juhul nähtub eelotsusetaotlusest, et Saksamaal esialgse peretoetuste taotluse esitamisel
rahuldas see liikmesriik taotluse, tuginedes oma pädevusele prioriteetse liikmesriigina, ilma et ta oleks
käivitanud määruse nr 987/2009 artikli 60 lõikes 3 ette nähtud mehhanismi.
59 Alles hilisema kontrolli käigus, mis tulenes Poolas kohaldatavate õigusaktide muutmisest, leidis
Saksamaa Liitvabariik, et tema õigusaktid ei ole enam prioriteetsed määruse nr 883/2004 artikli 68
lõigete 1 ja 2 tähenduses, ning ta teavitas sellest nii peretoetuste saajat kui ka Poola pädevat asutust, kes
peab selle määruse artikli 68 lõikega 3 kehtestatud mehhanismi kohaselt menetlema taotlust nii, nagu
see oleks talle otse esitatud, ja seda kuupäeval, mil see esitati Saksamaa pädevale asutusele.
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60 Sellega seoses tuleb täpsustada, et mõiste „taotlus“, mida ei saa samastada liikmesriigi asutustelt
perioodilise hüvitise saamisega, nõuab asjaomaselt isikult haldusmenetluslikku sammu (vt selle kohta
29. septembri 2022. aasta kohtuotsus Chief Appeals Officer jt, C‑3/21, EU:C:2022:737, punkt 31), nagu
seda tegi põhikohtuasja kaebaja, kes vastas peretoetuste saamise õiguse kontrollimise menetluse raames
saadetud küsimustikule, et esitatud andmeid kinnitada.
61 Juhul, kui kõik muud Poola õigusnormides peretoetuste saamiseks ette nähtud vormilised ja sisulised
tingimused on täidetud, ei saa Poola Vabariik perehüvitiste maksmisest keeldumiseks esitada selle
taotlusega seotud puhtformaalseid argumente. See on nii seda enam, et põhjused, miks isik keeldub
ametliku taotluse esitamisest või ei kavatse seda esitada, ei mõjuta kuidagi Euroopa Kohtu antavat
vastust (vt selle kohta 14. oktoobri 2010. aasta kohtuotsus Schwemmer, C‑16/09, EU:C:2010:605,
punkt 54).
62 Kui neil asjaoludel ei maksa Poola asutus, kes on eelisjärjekorras pädev, põhikohtuasjas kõne all
olevaid perehüvitisi ega võta edastamise taotluse suhtes seisukohta, peab Saksamaa asutus kui
esimesena taotluse saanud asutus maksma oma õigusaktide alusel ette nähtud hüvitisi, kuid ta võib
seejärel nõuda Poola pädevalt asutuselt sellise perehüvitiste summa tagasimaksmist, mis ületab
summat, mida ta peab määruse nr 883/2004 sätete kohaselt maksma.
63 Nagu Euroopa Kohus on juba otsustanud, on määruse nr 883/2004 artikli 68 lõike 3 punkti a ja
määruse nr 987/2009 artikli 60 lõigete 2 ja 3 kohaselt omavahel seotud eelisjärjekorras pädeva
liikmesriigi asutus ja teises järjekorras pädeva liikmesriigi asutus ning nende kahe asutuse ülesanne on
vaadata koos läbi see taotlus, mille perehüvitiste taotleja peab esitama ühele neist asutustest (vt selle
kohta 25. novembri 2021. aasta kohtuotsus Finanzamt Österreich (arenguabitöötaja perehüvitis),
C‑372/20, EU:C:2021:962, punkt 66).
64 Lisaks tuleneb lojaalse koostöö põhimõttest, nagu seda on täpsustatud määruse nr 987/2009 artikli 60
lõikes 5 ja määruse nr 883/2004 artiklis 84, et liikmesriik võib nõuda teiselt liikmesriigilt enammakstud
perehüvitise tagasimaksmist, sealhulgas möödunud ajavahemiku osas, kui teise liikmesriigi
õigusnormides ette nähtud vormilised ja sisulised tingimused loetakse möödunud ajavahemiku osas
täidetuks.
65 Mis tahes muu tõlgendus, mis seisneb selles, et ühele pädevatest asutustest heidetakse ette seda, et ta ei
tee toetuse saajale makstavate peretoetuste summa suhtes koostööd, või kohustatakse toetuse saajat
maksma tagasi summasid, mille on välja maksnud asutus, kuid mille maksmine ei ole viimase ülesanne,
läheks selgelt vastuollu kattumise vältimise eeskirjade eesmärgiga, milleks on tagada, et mitme
liikmesriigi hüvitisi saama õigustatud isikule makstavate hüvitiste kogusumma oleks võrdne kõige
soodsama hüvitisega, millele tal on õigus mainitutest ühe liikmesriigi õiguse alusel (vt selle kohta
14. oktoobri 2010. aasta kohtuotsus Schwemmer, C‑16/09, EU:C:2010:605, punkt 58 ja seal viidatud
kohtupraktika, ning 18. septembri 2019. aasta kohtuotsus Moser, C‑32/18, EU:C:2019:752, punkt 42 ja
seal viidatud kohtupraktika).
66 Selles kontekstis olgu märgitud, et määruse nr 883/2004 artikli 76 lõikest 4 nähtub, et kuigi nimetatud
määruses mainitud asutused on kohustatud vastama kõigile taotlustele mõistliku aja jooksul ja
varustama asjaomaseid isikuid teabega, mis on vajalik, et nad saaksid õiguspäraselt kasutada neile selle
määrusega antud õigusi, peavad need isikud teavitama pädeva liikmesriigi ja elukohajärgse liikmesriigi
asutusi esimesel võimalusel kõigist muudatustest oma isiklikus või pereolukorras, mis mõjutavad nende
õigust hüvitistele selle määruse alusel (vt selle kohta 29. septembri 2022. aasta kohtuotsus Chief
Appeals Officer jt, C‑3/21, EU:C:2022:737, punkt 34).
67 Juhul, kui antud olukorras peaks leitama, et põhikohtuasja kaebaja avaldus, mille kohaselt tema
abikaasa ei tööta Poolas, ei vasta tegelikkusele – mida peab kontrollima eelotsusetaotluse esitanud
kohus –, ei seisneks sellise teavitamiskohustuse täitmata jätmise heastamine siiski mitte hüvitiste
tagasinõudmises määruse nr 883/2004 artikli 68 alusel, vaid riigisiseses õiguses ette nähtud
proportsionaalsete meetmete kohaldamises, mis vastavalt selle määruse artikli 76 lõikele 5 peavad
lisaks järgima võrdväärsuse ja tõhususe põhimõtteid (vt selle kohta 29. septembri 2022. aasta
kohtuotsus Chief Appeals Officer jt, C‑3/21, EU:C:2022:737, punkt 43).
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68 Eeltoodud kaalutlusi arvestades tuleb esimesele küsimusele vastata, et määruse nr 883/2004 artiklit 68,
milles on sätestatud prioriteetsuse määramise eeskirjad perehüvitiste kattumise puhul, tuleb tõlgendada
nii, et kuigi see ei võimalda sellise liikmesriigi asutusel, kelle õigusaktid ei ole selle artikli lõikes 1
sätestatud kriteeriumide kohaselt prioriteetsed, nõuda asjaomaselt isikult taoliste nimetatud
liikmesriigis makstud hüvitiste osalist tagasimaksmist põhjusel, et teise liikmesriigi õigusaktides, mida
kohaldatakse eelisjärjekorras, on ette nähtud nende hüvitiste saamise õigus, kui selles teises
liikmesriigis ei ole kindlaks määratud ega välja makstud ühtegi perehüvitist, võimaldab see siiski sellel
asutusel nõuda eelisjärjekorras pädevalt asutuselt taolise perehüvitiste summa tagasimaksmist, mis
ületab summat, mida nimetatud asutus kõnealuse määruse sätete kohaselt peab maksma.
Teine ja kolmas küsimus
69 Arvestades esimesele küsimusele antud vastust, ei ole teisele ja kolmandale küsimusele vaja vastata.
Kohtukulud
70 Kuna põhikohtuasja poolte jaoks on käesolev menetlus eelotsusetaotluse esitanud kohtus pooleli oleva
asja üks staadium, otsustab kohtukulude jaotuse liikmesriigi kohus. Euroopa Kohtule seisukohtade
esitamisega seotud kulusid, välja arvatud poolte kohtukulud, ei hüvitata.
Esitatud põhjendustest lähtudes Euroopa Kohus (seitsmes koda) otsustab:
Euroopa Parlamendi ja nõukogu 29. aprilli 2004. aasta määruse (EÜ) nr 883/2004
sotsiaalkindlustussüsteemide koordineerimise kohta artiklit 68, milles on sätestatud
prioriteetsuse määramise eeskirjad perehüvitiste kattumise puhul,
tuleb tõlgendada nii, et
kuigi see ei võimalda sellise liikmesriigi asutusel, kelle õigusaktid ei ole selle artikli lõikes 1
sätestatud kriteeriumide kohaselt prioriteetsed, nõuda asjaomaselt isikult taoliste nimetatud
liikmesriigis makstud hüvitiste osalist tagasimaksmist põhjusel, et teise liikmesriigi õigusaktides,
mida kohaldatakse eelisjärjekorras, on ette nähtud nende hüvitiste saamise õigus, kui selles teises
liikmesriigis ei ole kindlaks määratud ega välja makstud ühtegi perehüvitist, võimaldab see siiski
sellel asutusel nõuda eelisjärjekorras pädevalt asutuselt taolise perehüvitiste summa
tagasimaksmist, mis ületab summat, mida nimetatud asutus kõnealuse määruse sätete kohaselt
peab maksma.
Allkirjad
* Kohtumenetluse keel: saksa.
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Vastuvõtmise kuupäev : 25/04/2024
EUROOPA LIIDU KOHUS
25/04/24
Kantselei
Välisministeerium
Islandi väljak 1
15049 Tallinn
EESTI/ESTONIA
1290015.6 DE
Eelotsusetaotlus C-36/23
Familienkasse Sachsen
(eelotsusetaotluse esitanud kohus: Finanzgericht Bremen - Saksamaa)
Kohtuotsuse kättetoimetamine
Euroopa Kohtu kohtusekretär edastab Teile käesoleva kirjaga kohtuotsuse kinnitatud koopia.
Teised keeleversioonid, mis on juba kättesaadaval, on üleval Euroopa Kohtu kodulehel, aadressil
http://www.curia.europa.eu.
Nicole Mundhenke
Ametnik
Telefon : (352) 43031 Kirjad saata aadressile:
Faks : (352) 433766 Euroopa Liidu Kohus
E-mail :
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